Das Brennen der Dämmerung

Sandra Rehschuh - Das Brennen der Dämmerung Cover
Sandra Rehschuh – Das Brennen der Dämmerung

Finsternis liegt über der Residenzstadt Dresden.
Die Vampirjägerin Franziska Maschke gerät auf die Fährte eines Blutsaugers, der Interesse an wertvollen Artefakten zeigt.
Dabei trifft sie auf einen geheimnisvollen Mann, der ihr auf seltsame Art vertraut erscheint.
Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt.
Denn ist der rote Mond einmal aufgegangen, gibt es keine Rettung mehr.

 

 

 

Leseprobe

Prolog
Ein halbes Jahr zuvor …
Seit Stunden waren die Restaurants und Cafés am Neumarkt zugesperrt. Dichter Nebel zog von der Elbe in die Straßen und tauchte die Altstadt in ein geheimnisvolles Licht. Wenige Laternen brannten zu dieser Zeit noch; Stille beherrschte die Stadt.
Eine Nacht, um für sich zu sein, um nachzudenken, über das Vergangene und das Kommende.
Die Augustusstraße, nicht breiter als eine Gasse, und dennoch eine Attraktion für Touristen, war wie leergefegt. Liebevoll fuhr Franziska die Fugen der Sandsteinmauer nach, auf der, in für sie unerreichbarer Höhe, der Fürstenzug thronte. Verirrte Lichtstrahlen spiegelten sich auf den bemalten
Kacheln aus Meißener Porzellan. Vierundneunzig Männer zählte Franziska im Vorbeigehen und verließ die Straße in Richtung der Brühlschen Terrasse.

Das Brennen der Dämmerung (2011)
Taschenbuch, 271 Seiten, AAVAA – Verlag
Taschenbuch in Großschrift, 399 Seiten, AAVAA – Verlag

auch als Ebook in den Formaten: Kindl Edition, PDF, ePub und Mobipocket erhältlich (PDF, ePub und Mobipocket nur im Verlagsshop)

Sie stieg die Stufen der Freitreppe hinauf. Zu beiden Seiten bildeten Bäume eine Allee, an dessen Ende sich ein Plateau befand. Dort ließ sie sich auf den Rand des Delphinbrunnens nieder, hörte dem Plätschern des Wassers zu und schloss die Augen. Der Stein unter ihr war noch warm vom Tag und schenkte das Gefühl von Geborgenheit. Bis jetzt war es ein ruhiger Abend und inständig hoffte sie, dass es so bleiben würde. Ein Auto fuhr am Terrassenufer entlang, ein Dampfer störte mit seinem Tuten die Ruhe. Wenige Wolken verdeckten den sternenklaren Himmel.
Eine einzige Nacht Frieden. Nicht kämpfen müssen. Ein gewöhnlicher Mensch sein. Franziska wusste, dass es nicht ihre Bestimmung war. Sie war anders. Zu oft hatte sie die Schattenwesen berührt, als dass dieses spurlos an ihrem Herzen vorbei gegangen wäre. Ein Funken der Dunkelheit
hatte sich auch in ihr eingenistet und einen Abgrund in ihrer Seele geöffnet, der es ihr ermöglichte, zu töten. Unzählige Male hatte Franziska versucht, sich dagegen zu wehren. Das Abschlachten nicht länger mitzumachen. Doch sie war dazu gezwungen. Hätte sie es nicht getan, so wären es die Vampire gewesen, die sie zur Strecke gebracht hätten. Immer war es Notwehr und trotzdem machte es ihr auf Weise Spaß. Das Gefühl, wenn die Klinge durch das Fleisch schnitt, dem letzten röchelnd Atemzug des Monstrums zu hören, bis auch dieser verklang.
Tränen rannen ihr heiß die Wangen herab, Nebel hüllte sie ein. Sie hatte gemordet und würde es erneut tun. Wie lange konnte sie mit diesem Wissen leben, ohne ihre Menschlichkeit zu verlieren?
Ein schriller Schrei durchbrach den Trübsinn, bohrte sich wie ein Pfeil in ihr Innerstes. Dem Ruf folgte ein neuer, der von den Häusern widerhallte. Franziska sprang auf, hob den Kopf in den Wind und versuchte die Bestie zu wittern. Ein erbärmlicher Gestank nach Fäulnis wehte ihr entgegen. Ob
es Einbildung war oder ein Instinkt, entwickelt in den Jahren des Jagens, hatte keine Relevanz. Zu glauben, sie riechen zu können, bedeutete ein Stück mehr wie diese Vampire zu sein.

 

Zum wiederholten Male erklang das Gebrüll, getragen und zerstreut vom Nebel. Sekunden stand Franziska unschlüssig da. Wenn sie sich nicht bald entschied, würde ein Mensch sterben.
Ihre Entscheidung stand schon längst fest, gestand sie sich ein. Ohne weiter nachzudenken, wählte sie die Richtung zum Neumarkt, die Münzgasse hinauf. Sie vertraute auf ihre Eingebung.
Noch bevor das Opfer die Lippen zu einem neuerlichen Laut des Schreckens öffnen konnte, war sie dort und packte den Angreifer im Nacken.
Überrascht von dem unerwarteten Widerstand ließ er von seiner Beute ab.
»Lauf!«, schrie sie dem Fremden zu, dessen Hals mit einem dünnen Rinnsaal Blut bedeckt war.
Erstarrt stand er da, rührte sich nicht.
»Du schon wieder!«, fauchte ihr Gegner.
Die Stimme riss den Unbekannten aus seiner Lethargie. Ohne sich umzudrehen, rannte er davon.
Er stürzte über einen unsauber eingesetzten Pflasterstein und kroch auf allen Vieren in die Dunkelheit und verschmolz mit dieser.
Ein weiteres Leben, das sie gerettet hatte. Franziska lächelte und wandte sich der Bestie zu.

 

 

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