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Neuauflage: (K)ein Hund zu Weihnachten

Cover - (K)ein Hund zu Weihnachten

(K)ein Hund zu Weihnachten

„Ausgesetzt – (K)ein Hund zu Weihnachten“ ist die Botschaft dieses Büchleins.

Jahr für Jahr landen Tiere unter dem Weihnachtsbaum und viele von ihnen kurze Zeit später in einem Tierheim.

Die Geschichte von Lucky, einem solchen „Weihnachtshund“ ist hier nachzulesen.
Lucky findet glücklicher Weise ein neues Zuhause., auch wenn auf dem Weg dahin viel Kummer liegt.
Doch seine Freunde im Tierheim unterstützen ihn, auch wenn sie selbst von den Menschen geplagt sind.
Da ist Roxy, die Königspudeldame, die niemand haben möchte, weil sie zu alt ist, oder Sissy, eine schwarze Katze, die immer wieder verstoßen wird.

Leider sind dies reale Fälle, wie sie tagtäglich in den Tierheimen vorkommen.
Unsere Freunde hier haben Glück, doch viele Tiere finden kein neues Zuhause und müssen den Rest ihres Lebens in einem Tierheim verbringen.

Bitte handeln Sie nicht vorschnell, wenn Sie, vielleicht ihrem Kind, den größten Wunsch eines tierischen Freundes erfüllen wollen.

Und vielleicht lesen Sie ihm ja dann die Geschichte von Lucky vor?

Noch ein Hinweis zum Ende: Das Buch ist eine erfundene Geschichte, auch wenn es Lucky tatsächlich gab. Das Buch ist für Kinder geschrieben, weswegen hier nicht die schlimmen Dinge geschildert werden, die den Tieren im Tierheim widerfahren (können). Natürlich ist es recht unwahrscheinlich, dass zum Schluss drei tierische Freunde gemeinsam in ein neues Zuhause ziehen (auch wenn ich hoffe, dass es solche Zufälle doch hin und wieder gibt). Hier sei bitte die künstlerische Freiheit akzeptiert. Das Buch ist mit dem Hintergrund geschrieben worden, Kindern aufzuzeigen, dass es wirklich schlimm ist, ein Tier auszusetzen, nur weil man mal ein paar Tage Urlaub braucht. Um diese Botschaft dennoch kindgerecht zu verpacken, gibt es zum Schluss ein „überspitztes“ Happy End.

 

 

Leseprobe

Der Wind pfeift um meine Ohren, es ist kalt, es schneit. Überall sind Autos. Und meine Menschen? Ich kann sie nicht sehen. Sie sind einfach weg! Ich verstehe die Welt nicht mehr!
Ich soll hier warten, haben sie gesagt. Das habe ich getan. Fast den ganzen Tag. Aber sie sind nicht wieder gekommen!
Ich setze mich und kratze mein Ohr. Ich muss einen klaren Kopf behalten. Was soll ich jetzt tun? Loslaufen und sie suchen kann ich nicht, denn sie haben mich an einem Schild angebunden. Blau ist es, ein weißer Buchstabe prangt darauf. Warum ausgerechnet hier?
Mir bleibt also nichts anderes übrig, als weiter zu warten. Dabei knurrt mein Bäuchlein so furchtbar! Und ich friere!
Ich beginne, mein anderes Ohr zu kratzen. Ob sich da wohl ein Floh niedergelassen hat? Es fühlt sich so an. Doch eine andere Frage lässt mir keine Ruhe: Wo sind meine Menschen? Warum haben sie mich hier gelassen?
Ich sehe die Sonne untergehen, bald wird es dunkel!
Ich rolle mich zitternd auf dem Boden zusammen. Die letzten wärmenden Sonnenstrahlen verschwinden hinter den Bäumen am Rand der Straße. Mit der Dunkelheit kommt noch mehr Kälte.
Fremde Menschen gehen an mir vorbei. In ihren Augen ist ein Glitzern. Warum schauen sie mich so an? Wisst ihr, warum ich hier bin? Was soll ich tun? Ab und an bückt sich jemand herunter, der mich streichelt. Warme Hände! Wunderbar! Ich genieße diese Streicheleinheiten, doch nur für einen kurzen Augenblick. Mich quält nur eine Frage: Wo sind meine Menschen?
Ein Menschenjunge hält mir seine Leberwurstschnitte unter die Nase. Ich schnüffle daran. Hmmm! Riecht das gut! Allerdings haben mir meine Menschen beigebracht, nichts von Fremden zu nehmen. Also drehe ich den Kopf zur Seite. Der Junge schaut traurig, legt die Schnitte neben mir zu Boden und läuft davon.
Wie gern möchte auch ich laufen! Aber die Leine um meinen Hals sitzt fest. So sehr ich auch daran ziehe, sie löst sich nicht. Nein, selbst die Luft wird mir knapp!
Ich setze mich wieder hin. Es ist nun ganz finster. Noch immer kommen und gehen die Menschen, aber es werden weniger. Meine Menschen sind nicht dabei.
Die hellen Lichter der Scheinwerfer der Autos sehen in der Dunkelheit aus wie die Augen von Ungeheuern. Ich habe Angst!
Es fängt an zu regnen. Mein Fell ist nass, ich meine, darin Eisklumpen zu sehen. Mir ist so kalt!
Bitte, wo seid ihr?
Weit lege ich den Kopf in den Nacken. Die Kehle vibriert, als ich zu Jaulen beginne. Vielleicht hören sie mich ja? Ich schrei und winsle, doch meine Menschen kommen nicht. Nach einer Weile lege ich mich in den Schnee. Ob ich sie wohl jemals wiedersehen werde? Hoffentlich ist ihnen nichts geschehen!
Der Geruch von Leberwurst steigt in meine Nase. Misstrauisch beobachte ich die Schnitte. Sie bewegt sich nicht.Soll ich? Mein Bäuchlein knurrt seit Stunden. Ich will ihn nun zufrieden stellen. Ich schaue um mich. Niemand ermahnt mich, die Nase wegzunehmen. Niemand, der schimpft. Niemand, der mir dieses Essen streitig machen möchte. Vorsichtig lege ich meine Pfote auf die Brotscheibe. Sie macht keinen Versuch, davon zu laufen. Gut so! Ob sie ahnt, wie hungrig ich bin? Hastig beiße ich hinein, bevor sie es sich anders überlegt. Wie gut sie schmeckt!
Nach wenigen Bissen ist sie weg. Ich habe noch immer Hunger, doch das Knurren verschwindet.
Jetzt noch eine Schale frisches Wasser! Aber ich befürchte, dass mir die heute wohl niemand mehr bringen wird.
Also werden die Regentropfen von der Nase geschleckt. Der Regen fühlt sich mit einem Male weicher an, fast schon sanft. Ich schaue nach oben. Ja, es sind keine Regentropfen mehr, die herab prasseln. Das ist Schnee! Ich erinnere mich daran zurück, wie ich mit meinen Menschen im Schnee getollt habe. Damals war ich noch ganz klein gewesen. Das hat solch einen Spaß gemacht! Aber die Erinnerung verblasst so schnell, wie sie gekommen ist. Mir wird immer kälter. Das Wasser und der Schnee schmecken seltsam. Gar nicht wie zuhause. Ob es mit den stinkenden Autos zu tun hat, die an diesem Parkplatz vorbei fahren?
Es spielt keine Rolle. Ich werde nichts anderes bekommen. Traurig kuschle ich mich ein mein Schlammloch zurück.
Nur noch vereinzelt kommen die Menschen. Niemand schaut mich an. Wo sind nur meine Leute? Zitternd vor Kälte schlafe ich ein.

Das Feuer im Kamin prasselt leise. Es hält mich schön warm. Zufrieden liege ich ausgestreckt auf einem weißen Schaffell.
»Tobi! Es gibt Futter!«, ruft die Stimme meiner Menschenfrau lockend.
Müde hebe ich den Kopf. Ist es schon so spät? Träge erhebe ich mich und trotte, mit dem Schwanz wedelnd, in die Küche. Warme Hände streicheln mir über den Rücken. Schön! Tief versenke ich meine Nase in das köstlich duftende Futter. Die Welt ist in Ordnung.
»Wollen wir spielen?«, fragt mich das kleine Mädchen, nachdem ich satt bin.
Eigentlich habe ich keine Lust mehr. Viel zu schwer liegt mir das Fresserchen im Bauch. Aber dem Leuchten in ihren Augen vermag ich nicht zu widerstehen.
Also gehen wir noch einmal zusammen in den Garten. Immer wieder laufe ich dem Ball hinterher und bringe ihn ihr. Sie lacht und freut sich darüber und ich bin einfach nur glücklich. Ja, so sieht ein perfektes Hundeleben aus, denke ich und hole den Ball von Neuem. Irgendwann werden ihre Würfe kürzer, sie gähnt und ihre Knopfaugen werden ganz winzig.
»Du musst ins Bett«, erklärt die große Menschenfrau lachend und holt uns beide ins Haus.
Du musst ins Bett heißt übersetz: Tobi und du müssen ins Bett. Denn jemand muss das zarte Wesen doch bewachen, oder?Also trollen wir uns nach oben. Ein ganzes Haus gehört uns! Und oben sind die Schlafplätze.
Ich bin der Erste, der es sich auf der Decke bequem macht. Ach, ist das schön! Zu gern mache ich dem Mädchen Platz, das mich sanft zur Seite schiebt.
Der Tag war aufregend. Der Weihnachtsbaum, die bunten Kugeln und die vielen Lichter! Seit drei Tagen wohne ich nun schon hier und ich finde, es ist der Himmel auf Erden. Am Anfang hatte ich jedoch Angst. Die große Menschenfrau und der Menschenmann steckten mich in eine stickige Kiste, aus der ich nicht allein hinaus konnte. Aber dann kam das kleine Mädchen, holte mich daraus und rief etwas von einem tollen Weihnachtsgeschenk. Ich weiß nicht, was Weihnachten ist, doch mir gefällt es.

 

Ausgesetzt – (K)ein Hund zu Weihnachten

Sandra Rehschuh - (K)ein Hund zu Weihnachten

Sandra Rehschuh – (K)ein Hund zu Weihnachten

„Ausgesetzt – (K)ein Hund zu Weihnachten“ ist die Botschaft dieses Büchleins.
Jahr für Jahr landen Tiere unter dem Weihnachtsbaum und viele von ihnen kurze Zeit später in einem Tierheim.
Die Geschichte von Lucky, einem solchen „Weihnachtshund“ ist hier nachzulesen.
Lucky findet glücklicher Weise ein neue Zuhause.
Viele Tiere schaffen das aber nicht und müssen den Rest ihres Lebens in einem Tierheim verbringen.

Bitte handeln Sie nicht vorschnell, wenn Sie, vielleicht Ihrem Kind, den größten Wunsch eines tierischen Freundes erfüllen wollen.
Sollte Ihr Kind dies nicht akzeptieren, vielleicht lesen Sie ihm ja dann die Geschichte von Lucky vor?

Außerdem finden Sie in diesem Buch noch zwei weitere Kurzgeschichten für Kinder, deren Inhalt etwas heiterer ist.

 

Ausgesetzt – (K)ein Hund zu Weihnachten (2013)
Taschenbuch, 52 Seiten

Kurz vor Weihnachten macht man sich Gedanken, was man den Liebsten schenken kann. Ganz oben auf der Liste steht oft ein Haustier.

Doch Weihnachten ist der denkbar ungünstigste Zeitpunkt, sich ein solches anzuschaffen, denn viele Tiere landen nach den Feiertagen in den oft schon überfüllten Tierheimen.

In meinem neuen Buch „Ausgesetzt – (K)ein Hund zu Weihnachten“ wird die Geschichte von Lucky erzählt. Einem eben solchen „Weihnachtsgeschenk“.

Ich würde mich freuen, wenn die Geschichte einige Menschen noch einmal über die Wahl ihres Geschenkes nachdenken lässt.

Das Buch gibt es als Taschenbuch und auch als Kindl-Version und ist für kleine Leser ab 7 Jahren geeignet.

Kater Leo will fliegen lernen

Sandra Rehschuh - Kater Leo will fliegen lernen Cover

Sandra Rehschuh – Kater Leo will fliegen lernen

Kater Leo möchte gerne fliegen lernen. Natürlich sind ihm keine Flügel gewachsen. Was macht also ein schlauer Kater? Er sucht sich einen Vogel, der es ihm irgendwie beibringen kann. Doch Leo hat kein Glück. Es ist Winter, kurz vor Weihnachten, und der einzige Vogel, den er trifft, ist die kleine verwaiste Schwalbe Susi. Dummerweise kann auch sie nicht fliegen. So begeben sich die beiden auf die Suche nach jemandem, der ihren sehnlichsten Wunsch erfüllen kann. Dabei treffen sie auf eine taube Katze namens Trine und die Gans Abigail, die Leo eigentlich gerne als Braten unter dem Weihnachtsbaum vernaschen würde.

Werden sich Leo und Susi ihren Traum erfüllen können? Endet Abigail wirklich als Festmahl? Und was wird aus der tauben Trine?

Eine Geschichte über Freundschaft und Zusammenhalt für Groß und Klein, in der auch kleine Wunder nicht fehlen dürfen.

Einleitung

Guten Tag. Mein Name ist Leo, und wie Sie inzwischen wissen, bin ich ein abenteuerlustiger, temperamentvoller, draufgängerischer Kater.
Ich hatte einen Traum: Ich wollte das Fliegen lernen. Aber wer hat je eine fliegende Katze gesehen?
Egal, ich kümmerte mich nicht darum, riss von zuhause aus und suchte mir jemanden, der mir das Fliegen beibringen konnte. Und wer könnte das besser, als ein Vogel?
Leider hatte ich vergessen, dass inzwischen Herbst war und die Zugvögel gen Süden aufgebrochen waren.
Dennoch fand ich in einer Ruine ein kleines Schwalbenkind. Susi ist ihr Name. Doch auch sie konnte nicht fliegen. Was für ein Schlamassel!
Da es mir aber langsam an meinem Hinterteil kalt wurde, nahm ich Susi mit zu meinem Zweibeiner nach Hause. Dort wurde sie empfangen und in die Familie aufgenommen.
Die Zeit verging. Weder Susi noch ich lernten das Fliegen – bis zu jenem Weihnachtsabend, an dem die Wohnung verwüstet wurde.
Ich muss gestehen, dass wir beide nicht ganz unschuldig daran waren.
Aber Frauchen war sehr traurig und wir beschlossen, sie aufzumuntern. Ein supertoller Gänsebraten musste her!
Und damit begann unser Abenteuer erst richtig!

Leseprobe

Ein Sonnenstrahl – oder eine Staubflocke? – kitzelt meine Nase. Ich muss niesen. Träge hebe ich meinen Kopf und betrachte mit nur einem Auge die Welt um mich herum. Es ist Vormittag, würde ich schätzen. Die Sonne steht nicht mehr so hoch am Himmel, wie sie es noch vor einigen Wochen getan hat. Ihre Strahlen wärmen auch nicht mehr so richtig. Es ist Herbst.
Vor dem Fenster haben sich Vögel versammelt und bringen dort ein letztes Ständchen, bevor sie sich verabschieden. Sie werden davonziehen, wie jeden Herbst.
Es stimmt mich traurig, dass ich ihren lieblichen Gesang so lange nicht mehr hören werde. Aber mittlerweile weiß ich, dass sie wiederkommen werden. Nach dem kalten Winter, im Frühjahr, wenn die Sonne wieder wärmt.
Schwerfällig erhebe ich mich aus meinem Körbchen. Meine feinen, aber spitzen Krallen hinterlassen bei jedem Schritt ein Klacken auf dem Parkett. Vorsichtig geduckt nähere ich mich dem Fenster. Ich möchte sie nicht verscheuchen. Hinter der Gardine finde ich meinen Platz. Von hier aus kann ich sie gut beobachten. Immer muss ich mich vor ihnen verstecken.
Warum haben diese Piepmätze Angst vor mir? Vor mir braucht doch keiner Angst zu haben! In den sechs Jahren, seit ich auf dieser Welt bin, habe ich noch nie ein anderes Tier gefressen. Und ich könnte es mir auch nicht vorstellen.
Da ziehe ich doch lieber das Fressen vor, das mein Frauchen mir jeden Tag in den Napf füllt. Dort sind wenigstens keine Federn mehr dran! Und keine harten Knochen, an denen ich mir die Zähne ausbeißen könnte.
Eine dieser sonderbaren Kreaturen landet direkt vor meiner Nase. Sie kann mich nicht sehen, denn zwischen uns ist noch immer eine Glasscheibe und dieser Fetzen Stoff, den mein Frauchen Gardine nennt.
Mit schief gelegtem Kopf betrachtete ich das kastanienrote Gesicht, in dem zwei winzige schwarze Augen neugierig nach Futter suchen. Nicht mehr lange, dann werden sie fündig, wenn nach dem ersten Frost reichlich Körnchen auf dem Fensterbrett liegen. Die Armen. Später im Winter können sie nicht mehr jagen. Dann ist alles im Schnee verschwunden.

Taschenbuch: 114 Seiten
Verlag: Axiomy Verlag (2. Oktober 2016)
ISBN-13: 978-3945618790
Vom Hersteller empfohlenes Alter: 6 – 12 Jahre

Ja, auch diese Luftakrobaten können jagen! Dafür habe sie diesen spitzen Schnabel. Mäuse erwischen sie damit wahrscheinlich nicht. Aber eine Maus wäre denen bestimmt auch viel zu groß.Im Sommer, da haben sie die Mücken gefangen. Und Fliegen! Normalerweise jage ich die immer, wenn die sich in die Wohnung hinein verirren. Das wäre ja noch schöner, mich von deren Gesumme nerven zu lassen. Oder gar in die Nase stechen zu lassen. Das hat nämlich eine mal gewagt. Und schwupps – da war sie in meinem Mund. Geschmeckt hat sie nicht. Na ja, eigentlich kann ich das auch nicht behaupten. Schließlich habe ich sie im Ganzen hinuntergeschluckt.
Nach draußen darf ich nicht. Leider. Mein Frauchen hat viel zu sehr Angst um mich, weil ich doch von einem Auto überfahren werden könnte! Seit wir in die Stadt gezogen sind, habe ich Stubenarrest. Ich komme mir vor wie im Gefängnis. Dabei habe ich doch gar nichts getan. Ich war immer brav. Ja, ich bin ein braver Leo.
Mir bleibt also nichts weiter übrig, als stundenlang vor dem Fenster zu sitzen und hinauszuschauen.
Im Frühling habe ich den Schnee schmelzen gesehen und zugeschaut, wie die ersten Blumen ihre Hälse hinausstrecken, um die Sonne zu begrüßen. Im Sommer die schweren Gewitter, bei deren Krach ich mich unter dem Sofa versteckt habe. Und dann kam der Herbst. Langsam haben die Blätter sich verfärbt und begannen eines Tages abzufallen. Immer mehr Grün verschwand. Rot und braun, das sind die Farben, die diese Jahreszeit beherrschen. Und schwarz – wie die Trauer. Die Trauer, die jetzt an meinem Herzen nagt.
Ich werde wieder allein sein. Den ganzen Winter. Dann kann ich den Gesprächen der Vögel nicht mehr lauschen, die mir stets zugetragen haben, was in der Welt geschieht. Auch wenn sie es nicht gewusst haben, dass sie mir das erzählen! Denken die Federtiere doch, wir Katzen würden eine ganz andere Sprache sprechen! Aber dieser Irrtum ist ja nicht nur den Vögeln vorbehalten. Nein, auch die Menschen denken so. Dabei verstehe ich doch jedes Wort, das sie mir sagen. Sie könnten mich verstehen, wenn sie es wollten. Aber die Menschen hören manchmal nicht zu.
Mein Blick schweift in die Ferne. Wie es dort wohl sein wird? Ich meine, dort, wo die Vögel hinfliegen. Scheint dort die Sonne? Ist dort das ganze Jahr über Sommer? Ach, so gerne möchte ich mit ihnen gehen! Ob meine kleinen Pfoten das schaffen würden?
Die Schwalbe segelt davon, schraubt sich immer höher, dreht eine Runde um den Baum, in dem sich ihre Angehörigen versammelt haben, und lässt sich neben ihnen nieder. Nein, so schnell werde ich wohl niemals sein.

 

 

»Na, schaust du wieder den Vögeln hinterher? Sie sammeln sich und werden bald wegfliegen.« Mein Frauchen. Sanft streichelt sie mir über den Kopf. »Ach, muss das herrlich sein, fliegen zu können!«, stellt sie lachend fest und öffnet mir das Fenster.
Fliegen. Ja, das muss wunderbar sein. Aber ich kann es nicht. Mir sind keine Flügel gewachsen. Leider.
Ich blicke nach unten. Wir leben weit oben, in der dritten Etage. Ich kann nicht herausstürzen und meine Freiheit genießen. Keinen weiten Sprung unternehmen, um zu testen, ob ich nicht vielleicht doch fliegen kann. Der Baum steht nicht weit weg. Zehn oder fünfzehn Katzenlängen, nicht mehr. Aber doch unerreichbar. Wäre doch nicht dieser tiefe Abgrund dazwischen!
»Was überlegst du denn?«
Was soll ich denn schon überlegen? Wie ich da hinüberkomme. Wie ich mit ihnen mitfliegen kann! Darum drehen sich meine Gedanken!
Sie kann es nicht verstehen. Sie ist keine Gefangene und nicht immer eingesperrt in diesen vier Wänden. Sie gibt mir alles, ja. Fressen, einen warmen Schlafplatz, ihre Liebe. Aber das ist nicht das, was ich brauche. Ich brauche die Freiheit! Ich bin ein Kater, keine Rassekatze, die man irgendwo einsperren kann. Nein, ich bin ein Hauskater, ein Kater, der dazu geschaffen ist, Mäuse zu fangen. Und wenn das schon nicht möglich ist, weil es in diesem Haus keine Mäuse gibt, dann soll sie mich doch wenigstens hinauslassen. Ich möchte durch die Straßen laufen, ein Feld suchen und mit dem herabfallenden Laub spielen. Kann sie das denn nicht verstehen?
Sie will das Fenster schließen. »Komm, Leo. Komm rein. Es wird kalt.«
Na und? Ich habe ein Fell. Mir ist nicht kalt. Mir wird auch nicht kalt werden. Versprochen.
Sie drückt gegen den Rahmen. »Jetzt komm schon«, drängt sie. »Ich habe keine Zeit mehr. Ich muss zur Arbeit, dir dein Futter verdienen. Oder willst du heute Abend hungern?«
Ich habe keinen Hunger mehr. Von mir aus braucht es auch nie wieder etwas zu fressen geben. Es ist mir egal.
Ich lasse den Schwanz hängen und springe von der Fensterbank herunter. Heute Abend werden meine Freunde nicht mehr da sein. Ihr »Wit-Wit« fehlt mir jetzt schon. Sie kommen erst im Frühjahr zurück. Das ist eine lange Zeit. Viel zu lang für ein Katerleben.

 

 

Vorhergegangene Ausgaben:
Auflage im HNB-Verlag

An dieser Stelle möchte ich alle meine Leser bitten, diese Auflage nicht zu kaufen! Der Verlag existiert nicht mehr, die Abrechnungen fehlen von 2 1/2 Jahren, aber der Verlag darf weiterhin das Buch verkaufen. Ob die bestellten Bücher dann ja beim Käufer ankommen kann ich nicht sagen und es obliegt nicht in meiner Macht, dort vernünftigen Nachforschungen nachzugehen, da die Verlagsinhaberin jegliche Kontaktaufnahme ins Leere laufen lässt.