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Neuauflage: (K)ein Hund zu Weihnachten

Cover - (K)ein Hund zu Weihnachten

(K)ein Hund zu Weihnachten

„Ausgesetzt – (K)ein Hund zu Weihnachten“ ist die Botschaft dieses Büchleins.

Jahr für Jahr landen Tiere unter dem Weihnachtsbaum und viele von ihnen kurze Zeit später in einem Tierheim.

Die Geschichte von Lucky, einem solchen „Weihnachtshund“ ist hier nachzulesen.
Lucky findet glücklicher Weise ein neues Zuhause., auch wenn auf dem Weg dahin viel Kummer liegt.
Doch seine Freunde im Tierheim unterstützen ihn, auch wenn sie selbst von den Menschen geplagt sind.
Da ist Roxy, die Königspudeldame, die niemand haben möchte, weil sie zu alt ist, oder Sissy, eine schwarze Katze, die immer wieder verstoßen wird.

Leider sind dies reale Fälle, wie sie tagtäglich in den Tierheimen vorkommen.
Unsere Freunde hier haben Glück, doch viele Tiere finden kein neues Zuhause und müssen den Rest ihres Lebens in einem Tierheim verbringen.

Bitte handeln Sie nicht vorschnell, wenn Sie, vielleicht ihrem Kind, den größten Wunsch eines tierischen Freundes erfüllen wollen.

Und vielleicht lesen Sie ihm ja dann die Geschichte von Lucky vor?

Noch ein Hinweis zum Ende: Das Buch ist eine erfundene Geschichte, auch wenn es Lucky tatsächlich gab. Das Buch ist für Kinder geschrieben, weswegen hier nicht die schlimmen Dinge geschildert werden, die den Tieren im Tierheim widerfahren (können). Natürlich ist es recht unwahrscheinlich, dass zum Schluss drei tierische Freunde gemeinsam in ein neues Zuhause ziehen (auch wenn ich hoffe, dass es solche Zufälle doch hin und wieder gibt). Hier sei bitte die künstlerische Freiheit akzeptiert. Das Buch ist mit dem Hintergrund geschrieben worden, Kindern aufzuzeigen, dass es wirklich schlimm ist, ein Tier auszusetzen, nur weil man mal ein paar Tage Urlaub braucht. Um diese Botschaft dennoch kindgerecht zu verpacken, gibt es zum Schluss ein „überspitztes“ Happy End.

 

 

Leseprobe

Der Wind pfeift um meine Ohren, es ist kalt, es schneit. Überall sind Autos. Und meine Menschen? Ich kann sie nicht sehen. Sie sind einfach weg! Ich verstehe die Welt nicht mehr!
Ich soll hier warten, haben sie gesagt. Das habe ich getan. Fast den ganzen Tag. Aber sie sind nicht wieder gekommen!
Ich setze mich und kratze mein Ohr. Ich muss einen klaren Kopf behalten. Was soll ich jetzt tun? Loslaufen und sie suchen kann ich nicht, denn sie haben mich an einem Schild angebunden. Blau ist es, ein weißer Buchstabe prangt darauf. Warum ausgerechnet hier?
Mir bleibt also nichts anderes übrig, als weiter zu warten. Dabei knurrt mein Bäuchlein so furchtbar! Und ich friere!
Ich beginne, mein anderes Ohr zu kratzen. Ob sich da wohl ein Floh niedergelassen hat? Es fühlt sich so an. Doch eine andere Frage lässt mir keine Ruhe: Wo sind meine Menschen? Warum haben sie mich hier gelassen?
Ich sehe die Sonne untergehen, bald wird es dunkel!
Ich rolle mich zitternd auf dem Boden zusammen. Die letzten wärmenden Sonnenstrahlen verschwinden hinter den Bäumen am Rand der Straße. Mit der Dunkelheit kommt noch mehr Kälte.
Fremde Menschen gehen an mir vorbei. In ihren Augen ist ein Glitzern. Warum schauen sie mich so an? Wisst ihr, warum ich hier bin? Was soll ich tun? Ab und an bückt sich jemand herunter, der mich streichelt. Warme Hände! Wunderbar! Ich genieße diese Streicheleinheiten, doch nur für einen kurzen Augenblick. Mich quält nur eine Frage: Wo sind meine Menschen?
Ein Menschenjunge hält mir seine Leberwurstschnitte unter die Nase. Ich schnüffle daran. Hmmm! Riecht das gut! Allerdings haben mir meine Menschen beigebracht, nichts von Fremden zu nehmen. Also drehe ich den Kopf zur Seite. Der Junge schaut traurig, legt die Schnitte neben mir zu Boden und läuft davon.
Wie gern möchte auch ich laufen! Aber die Leine um meinen Hals sitzt fest. So sehr ich auch daran ziehe, sie löst sich nicht. Nein, selbst die Luft wird mir knapp!
Ich setze mich wieder hin. Es ist nun ganz finster. Noch immer kommen und gehen die Menschen, aber es werden weniger. Meine Menschen sind nicht dabei.
Die hellen Lichter der Scheinwerfer der Autos sehen in der Dunkelheit aus wie die Augen von Ungeheuern. Ich habe Angst!
Es fängt an zu regnen. Mein Fell ist nass, ich meine, darin Eisklumpen zu sehen. Mir ist so kalt!
Bitte, wo seid ihr?
Weit lege ich den Kopf in den Nacken. Die Kehle vibriert, als ich zu Jaulen beginne. Vielleicht hören sie mich ja? Ich schrei und winsle, doch meine Menschen kommen nicht. Nach einer Weile lege ich mich in den Schnee. Ob ich sie wohl jemals wiedersehen werde? Hoffentlich ist ihnen nichts geschehen!
Der Geruch von Leberwurst steigt in meine Nase. Misstrauisch beobachte ich die Schnitte. Sie bewegt sich nicht.Soll ich? Mein Bäuchlein knurrt seit Stunden. Ich will ihn nun zufrieden stellen. Ich schaue um mich. Niemand ermahnt mich, die Nase wegzunehmen. Niemand, der schimpft. Niemand, der mir dieses Essen streitig machen möchte. Vorsichtig lege ich meine Pfote auf die Brotscheibe. Sie macht keinen Versuch, davon zu laufen. Gut so! Ob sie ahnt, wie hungrig ich bin? Hastig beiße ich hinein, bevor sie es sich anders überlegt. Wie gut sie schmeckt!
Nach wenigen Bissen ist sie weg. Ich habe noch immer Hunger, doch das Knurren verschwindet.
Jetzt noch eine Schale frisches Wasser! Aber ich befürchte, dass mir die heute wohl niemand mehr bringen wird.
Also werden die Regentropfen von der Nase geschleckt. Der Regen fühlt sich mit einem Male weicher an, fast schon sanft. Ich schaue nach oben. Ja, es sind keine Regentropfen mehr, die herab prasseln. Das ist Schnee! Ich erinnere mich daran zurück, wie ich mit meinen Menschen im Schnee getollt habe. Damals war ich noch ganz klein gewesen. Das hat solch einen Spaß gemacht! Aber die Erinnerung verblasst so schnell, wie sie gekommen ist. Mir wird immer kälter. Das Wasser und der Schnee schmecken seltsam. Gar nicht wie zuhause. Ob es mit den stinkenden Autos zu tun hat, die an diesem Parkplatz vorbei fahren?
Es spielt keine Rolle. Ich werde nichts anderes bekommen. Traurig kuschle ich mich ein mein Schlammloch zurück.
Nur noch vereinzelt kommen die Menschen. Niemand schaut mich an. Wo sind nur meine Leute? Zitternd vor Kälte schlafe ich ein.

Das Feuer im Kamin prasselt leise. Es hält mich schön warm. Zufrieden liege ich ausgestreckt auf einem weißen Schaffell.
»Tobi! Es gibt Futter!«, ruft die Stimme meiner Menschenfrau lockend.
Müde hebe ich den Kopf. Ist es schon so spät? Träge erhebe ich mich und trotte, mit dem Schwanz wedelnd, in die Küche. Warme Hände streicheln mir über den Rücken. Schön! Tief versenke ich meine Nase in das köstlich duftende Futter. Die Welt ist in Ordnung.
»Wollen wir spielen?«, fragt mich das kleine Mädchen, nachdem ich satt bin.
Eigentlich habe ich keine Lust mehr. Viel zu schwer liegt mir das Fresserchen im Bauch. Aber dem Leuchten in ihren Augen vermag ich nicht zu widerstehen.
Also gehen wir noch einmal zusammen in den Garten. Immer wieder laufe ich dem Ball hinterher und bringe ihn ihr. Sie lacht und freut sich darüber und ich bin einfach nur glücklich. Ja, so sieht ein perfektes Hundeleben aus, denke ich und hole den Ball von Neuem. Irgendwann werden ihre Würfe kürzer, sie gähnt und ihre Knopfaugen werden ganz winzig.
»Du musst ins Bett«, erklärt die große Menschenfrau lachend und holt uns beide ins Haus.
Du musst ins Bett heißt übersetz: Tobi und du müssen ins Bett. Denn jemand muss das zarte Wesen doch bewachen, oder?Also trollen wir uns nach oben. Ein ganzes Haus gehört uns! Und oben sind die Schlafplätze.
Ich bin der Erste, der es sich auf der Decke bequem macht. Ach, ist das schön! Zu gern mache ich dem Mädchen Platz, das mich sanft zur Seite schiebt.
Der Tag war aufregend. Der Weihnachtsbaum, die bunten Kugeln und die vielen Lichter! Seit drei Tagen wohne ich nun schon hier und ich finde, es ist der Himmel auf Erden. Am Anfang hatte ich jedoch Angst. Die große Menschenfrau und der Menschenmann steckten mich in eine stickige Kiste, aus der ich nicht allein hinaus konnte. Aber dann kam das kleine Mädchen, holte mich daraus und rief etwas von einem tollen Weihnachtsgeschenk. Ich weiß nicht, was Weihnachten ist, doch mir gefällt es.

 

Neues altes Buch im Lektorat

Viele Jahre sind vergangen, seit ich meine ersten Bücher veröffentlicht habe.

Ab kommenden Jahr habe ich meine Rechte an „Das Brennen der Dämmerung zurück“ und auch „Ausgeliefert – Zerstörtes Leben“. Beide Bücher werden einen Neustart erleben.

Im Moment bin ich allerdings daran, dass mein Buch „(K)ein Hund zu Weihnachten“ eine Neuauflage erhält.

Ich hoffe, dass ich es diese Woche schon in den Druck geben kann.

Vergangenheit tötet bei Amazon auf Rang 1

Halli Hallo,

der Verkaufsstart meines Krimis „Vergangenheit tötet“ bei Amazon liegt nun schon ein paar Tage zurück.

Aber trotzdem wollte ich euch ganz kurz ein paar Rankingzahlen von Amazon zeigen, über die ich mich wirklich gefreut habe! Denn mein Krimi hat es tatsächlich unter ALLEN kostenlosen eBooks (was ja tausende sind!) auf Platz 1 geschafft!

Ich freue mich mega wahnsinnig darüber und hoffe, dass noch der ein oder andere mein Buch lesen wird 🙂

Und wer es noch nicht hat, hier gehts zum Buch:

 

Bestseller unter „Thriller“

Hier noch auf dem 2. Platz – unter allen kostenlosen eBooks

Bestseller! Platz 1 unter allen kostenlosen eBooks auf Amazon!!!

Bestseller in der Kategorie Kriminalliteratur

 

Vergangenheit tötet

Sandra Rehschuh - Vergangenheit tötet

Sandra Rehschuh – Vergangenheit tötet

Kommissar Arnold Borge kann den Sommer nicht genießen. Während sich die Todestage seiner Frau und seiner Tochter nähern, nervt ihn sein Partner Christian Griso mit seinen Frauengeschichten. Als in der sonst so beschaulichen Stadt Weimar ein Mord geschieht, müssen Borge und Griso einen klaren Kopf behalten. Selbstmord oder Mord? Doch woher kommt dieser seltsame Brief, der bei der Leiche gefunden wird? Ein Brief, der von Johann Gottfried Herder stammen soll, einem Dichter, der vor über 200 Jahren starb? Die Ermittlungen führen Arnold Borge und Christian Griso in die Bauhausuniversität. Tatkräftige Unterstützung erfahren sie dabei durch die Gerichtsmedizinerin Alina Votice, die längst ein Auge auf Arnold geworfen hat.
Der Fall erweist sich als kompliziert, denn ein weiterer Mord geschieht. Jagen die Ermittler einem Geist hinterher oder steckt nur ein raffiniertes Versteckspiel hinter den Morden?

Weimar, mit seinen weltbekannten Sehenswürdigkeiten, bietet eine facettenreiche Kulisse für einen spannenden Mordfall.

Leseprobe

Kapitel 1 – Gärtner, Frauen und die Sache mit den Eseln

 

Tick – Tack – Tick – Tack.

Die Uhr auf dem Armaturenbrett zeigte Mitternacht. Es gab niemanden, der ihm auf seiner Fahrt entgegen kam; niemand, der ihn an seinem Vorhaben hindern konnte. Er bog von der Hauptstraße auf einen Feldweg ein, ohne den Blinker zu betätigen.

Ja, setzt das mit auf meine Rechnung, dachte er und umklammerte das Lenkrad so fest er es vermochte. Darauf kommt es nicht mehr an.

Er blickte starr auf den Weg, der gerade so breit war, dass er ihn mit dem Transporter befahren konnte. Was links und rechts von diesem lag, nahm er nicht länger wahr. Tunnelblick, glaubte er, nannten das die gewöhnlichen Menschen. Ein heißeres Lachen drang aus seiner Kehle. Gewöhnliche Menschen. Das waren sie alle und er verabscheute sie zu tiefst.

Er konzentrierte sich wieder auf die Fahrt und verstummte. Morgen würde niemand auch nur ahnen, dass ein Fahrzeug hier entlanggerollt war. Die Besucher des Belvedere würden die Spuren zertrampelt haben, noch bevor irgendwer ihre Bedeutung erkannte.

Ein Reifen erwischte einen Stein, brachte das Gefährt zum einen Moment aus der Spur und verschwand dann unbeachtet in der Dunkelheit. Irgendwo neben ihm existierte ein Abgrund, das wusste er. Er kannte diesen Park in und auswendig. Es war ein mit Sträuchern bepflanzter, steil abfallender Hügel. Eine Sekunde lang stockte ihm der Atem, bei dem Gedanken, die Kontrolle über den Transporter zu verlieren und da hinunterzustürzen. Doch dann hob er die Oberlippe ein Stück, gleichbedeutend mit einem Grinsen, und konzentrierte sich auf den Pfad. Ihm passierte nichts. Niemals. Er musste nur auf den Weg Acht geben, den normalerweise kein Fahrzeug befuhr. Höchstens der Gärtner mit seiner Schubkarre. Ob dieser am morgigen Tag seine Arbeit weiterhin liebte? Wahrscheinlich nicht. In der Regel fiel der erste Verdacht, spätestens seit Edgar Wallace, stets auf den Gärtner. Das Leben dieses armen Mannes war jetzt schon ruiniert. Dabei ging die Sonne noch nicht einmal auf. Aber was scherte ihn das? Ihn behandelte man auch nicht fair und nie beklagte er sich darüber. Wenn man etwas an der Realität ändern wollte, musste man es selbst in die Hand nehmen.

 

Taschenbuch: 183 Seiten
Verlag: SoTo Media
ISBN-13: 978-1717918956

auch als Ebook in den Formaten: Kindl Edition, PDF, ePub und Mobipocket erhältlich

 

Wie um seine Gedanken zu bekräftigen, hörte er von der Ladefläche ein Poltern. Gefolgt von Stille. Nach einigen Sekunden wiederholte es sich – lauter.

Die Kleine wachte endlich auf. Lächelnd blickte er durch die Windschutzscheibe. Perfektes Timing! Langsam ging er vom Gas.

Den Brunnen am Ende des Weges konnte er trotz der Finsternis gut erkennen. Oft war er an diesem Ort gewesen und hatte das Wasser beobachtet, das aus einem Felsen herausströmte. Am Boden sammelte es sich in einem Becken, gerade so groß, dass er sich hätte hineinsetzen können.

Er schüttelte den Kopf und verschwendete nicht länger seine Gedanken daran. Er musste weiter, durfte keine Zeit verlieren.

Hinter dem Brunnen führte ein Weg entlang. An dessen Ende befand sich eine künstliche Ruine, die »Große Grotte« genannt. Schweiß trat ihm auf die Stirn. Er kam seinem Ziel näher.

Als er vor wenigen Wochen – Herrgott, waren es ernsthaft nur ein paar Wochen? – das erste Mal den Schlosspark von Belvedere in Weimar besuchte, war es dieser Anblick gewesen, der ihm den Atem raubte. Konnte ein eingestürztes Gebäude tatsächlich solch eine magische Anziehungskraft auf ihn ausüben?

Hastig nickte er.

Magie, ja, die herrschte an diesem Ort, an dem die Vergangenheit lebendig schien. Stunden, sogar Jahre schrumpften zu winzigen Augenblicken zusammen und er fühlte sich wieder jung; sah sich selbst als Kleinkind.

Er ließ den Wagen ausrollen und verharrte mit der Hand auf dem Zündschlüssel. Ein Zurück gab es seit Langem nicht mehr. Zu weit war er gegangen, zu viel hatte er riskiert, um an diesen Punkt zu gelangen. Seine Erlösung schien zum ersten Mal greifbar nahe.

Bald konnte er die Zeit zurückdrehen, alles ungeschehen machen und ein neues Leben beginnen.

Sein Herz hämmerte wie bei einem der wenigen Marathonläufe, an denen er teilgenommen hatte. Früher. Doch das lag hinter ihm, nur noch die staubige Erinnerung daran blieb. Er würde sie vergessen. Irgendwann.

 

 

Er stellte den Motor ab.

Das Mädchen musste zur Ruine hinauf laufen. Unmöglich konnte er den Weg dahin befahren. Es war ein heiliger Ort, an dem banale Dinge wie ein Auto keine Existenzberechtigung besaßen. Das Risiko, den Zauber dieses Platzes zu zerstören, erschien ihm zu groß.

Er stieg aus, drückte die Tür hinter sich ins Schloss und öffnete die Schiebetüre des Transporters auf der Beifahrerseite.

Schreckgeweitete Augen starrten aus der Dunkelheit zu ihm empor. Er konnte die Farbe nicht erkennen, aber letztendlich spielte sie auch keine Rolle. Ein nebensächliches Detail.

Dennoch wusste er, dass er diesen Anblick höchstwahrscheinlich seinen Lebtag nicht mehr vergaß.

Lächelnd trat er einen Schritt näher. Er verspürte weder Angst, noch Trauer oder gar Mitleid. Die Hoffnung auf eine bessere Zukunft hatte ihn mit eisernen Klauen an diesen Ort getrieben und schütze ihn vor diesen unbedeutenden Empfindungen.

Tief atmete er die kühle Nachtluft ein, die für die kommenden Stunden einen Regenschauer versprach.

Die Kleine kroch zurück, tollpatschig, mit ihren gefesselten Händen, und stoppte erst, als sie die Trennwand zwischen Ladefläche und Fahrerkabine erreichte.

Mit dem Zeigefinger winkte er sie heran.

Sie reagierte nicht.

Er biss sich auf die Lippen, unterdrückte einen Fluch und beugte sich zu ihr herab. An einem Fuß zog er sie durch das Fahrzeug. Wie von Sinnen warf sie den Kopf umher, versuchte zu schreien, doch der Schal vor ihrem Mund erstickte jeden Klang. Er packte sie an den Haaren, zerrte sie auf die Beine. Im nächsten Moment sackte sie in seinen Armen zusammen. Lautlos fluchend ergab er sich seinem Schicksal. Dann musste er sie halt hinter sich herschleifen. Ein notwendiges Übel. Seine Pläne blieben davon unberührt.

Im nächsten Moment bäumte sie sich erneut auf, schlug um sich, versuchte, ihn zu treten. Einmal. Zweimal. Sie erwischte ihn nicht und gab den Widerstand so abrupt auf, wie sie ihn begonnen hatte.

Ihr Wille zu leben ist nicht gerade groß, stellte er überrascht fest und zerrte sie weiter.

Keuchend verlangsamte er den Schritt. Er wünschte sich, sie würde ihm ein wenig entgegen kommen, wenigstens ein paar Schritte allein gehen, denn sie war verdammt schwer. Doch letzten Endes war es bedeutungslos. Frauen waren dumme Esel, die nur arbeiteten, wenn sie sich eine Belohnung davon versprachen. Der Fluch dieses Zeitalters. Warum konnten sie nicht wie früher sein? Zuhause am Herd bleiben, ihre Männer und Kinder versorgen und gehorchen? Diese verfluchte Emanzipation hatte alles zerstört.

Egal. Sein Kontakt zu dieser Spezies Mensch war kaum erwähnenswert. Frauen strengten ihn an – in sämtlichen Lebenslagen. Distanz war die einzige Art von Beziehung, die er mit ihnen einging. Weshalb sollte es ihn also scheren, wenn er dieses eine Mal in den sauren Apfel biss?

Verflucht! Warum macht sie sich so schwer?

Schniefend erreichte er den Eingang zur Großen Grotte. Jeder Atemzug brannte in seinem Brustkorb wie flüssiges Feuer. Doch der Anblick der Ruine ließ ihn die Schmerzen vergessen. Durch den Bauzaun starrte er einen Moment lang in ihr Inneres. Sein Traum, einmal darin zu stehen oder gar irgendwann in ihr zu leben, rückte in weite Ferne.

Die Decke war eingebrochen und der Zugang lebensgefährlich. Obwohl er sich nur vor wenigen Dingen fürchtete, schaffte es die Vorstellung, bei lebendigem Leib begraben zu werden, ihm Angst einzujagen.

Er konnte warten. Warten, dass irgendwer das wunderbare Gemäuer instand setzte und ihm somit eine neue Heimat schuf.

Das Jammern der Kleinen riss ihn aus seinen Gedanken.

Er wollte nicht, dass sie Tränen vergoss. Sie sollte sich dieses Meisterstück der Baukunst anschauen, ehrfürchtig den Atem anhalten und den Anblick genießen.

Den Atem anhalten – oh ja. Er biss sich auf die Lippen, unterdrückte ein Kichern, und wandte sich von ihr ab.

Er durfte nicht den Fehler machen, eine Beziehung zu ihr aufzubauen. Weder durch ein unkontrolliertes Lachen noch durch einen Dialog. Jede dieser Abweichungen von seinem Plan brachte ihn in Gefahr. Seine Aufgabe musste er jetzt erledigen. In dieser Nacht, bevor er den Mut verlor.

Fest packte er sie an der Schulter, zerrte sie an der Ruine vorbei, ohne sie eines weiteren Blickes zu würdigen. Der Weg wurde ab hier steiler. Eine unangenehme Nebensächlichkeit, die ihn aber kaum störte. Konzentriert sah er zu Boden, setzte einen Schritt nach dem anderen, spürte kaum noch das Gewicht dieser jungen Frau, die seine Fahrkarte in die Freiheit bedeutete.

Eine kühle Nachtbrise umgab ihn, ließ ihn einen Moment innehalten und aufsehen. Vor sich erkannte er sein endgültiges Ziel. Die Endstation, wenn man es so nennen wollte. Das Blut rauschte in seinen Ohren, übertönte das Keuchen seines Opfers.

Vor ihm erhob sich die Aussichtsplattform der Ruine. Einst stand die Elite der Poeten auf ihr; sie ließen ihre Blicke in das Tal schweifen. Dass diese Plattform das Dach seiner geliebten Grotte darstellte, war nur das Tüpfelchen auf dem berühmten ›I‹.

Heutzutage hatte man sie abgesperrt. Zu groß schien die Gefahr, dass das Bauwerk darunter einstürzte. Dennoch fand er an diesem Ort die absolute Perfektion:

Die allgegenwärtige Freiheit; der Wunsch, den Wind im Gefieder zu spüren wie ein Habicht. Nur an dieser Stelle kam er seinem Traum so nah. Aufsteigen und davonfliegen. Keine Sorgen, keine Verpflichtungen zu haben. Einfach nur glücklich sein.

Sekunden verstrichen, in denen er die Aussicht genoss und beinahe vergaß, weswegen er eigentlich gekommen war.

Das Zerren an seinem Arm riss ihn in die Realität zurück. Brummend blickte er die Studentin an und kontrollierte ihre Handfesseln. Sicher war sicher.

Erst nachdem er sich überzeugt hatte, dass sie sich unmöglich daraus befreien konnte, ließ er von ihr ab und wandte sich dem Gebüsch neben dem Weg zu.

Wo ist dieser … Ah, ja!

Seine Finger glitten über die raue Oberfläche eines Seiles, das er hier versteckt hatte. Beherzt griff er zu, schüttelte die anhaftenden Blätter ab und drehte sich herum.

Die große Eiche. Das Symbol für die Ewigkeit.

In voller Pracht streckten die Bäume ihre Zweige über den Park, verdeckten den wolkenverhangenen Himmel, an dem der Mond in dieser Nacht nur selten zu sehen war.

 

 

 

Zielsicher ging er auf sie zu, schwankte zwischen zwei Stämmen und entschied sich für den Rechten. Diese Eiche war stark, doch niedrig genug, um bequem an ihre unteren Äste zu gelangen. Er warf seinen Strick über einen Ast, den ein großer Mann vielleicht mit seinen Fingerspitzen erreicht hätte. Das Mädchen jedoch würde keine Chance haben, den Boden darunter zu berühren.

Die Enden des Seils verknotete er, bis eine Schlaufe entstand. Zufrieden trat er zurück, betrachtete sein Werk und nickte anerkennend. Es erfüllte seinen Zweck.

Die Kleine schien endlich zu begreifen, auf welche Art ihr Schicksal endete. Sie erwachte aus ihrer Starre, schrie nicht, sondern rannte, soweit es ihre Fesselung zuließ, ohne Vorwarnung los. Sie stolperte über den Weg, den sie gekommen waren, und geriet mehr als einmal ins Straucheln. Wie durch ein Wunder schaffte sie es, sich auf den Beinen zu halten.

Seufzend blickte er ihr nach. Wenn sie den Abhang hinabrutschte, gab das Spuren, die er nicht brauchte. Ausgerissene Grasbüschel, geknickte Zweige oder gar Fußabdrücke. Das musste er verhindern!

Ohne eine weitere Sekunde zu zögern, lief er los.

Die Distanz zwischen ihnen verringerte sich mit jedem Schritt. Ihre Schuhe mit den Trichterabsätzen waren eindeutig nicht für einen Wettlauf geeignet.

Der Kies knirschte unter ihm und er konnte das süßliche Parfüm der Studentin riechen, das sich mit ihrem Schweiß vermischte. Süß und streng zugleich. Tief sog er den Duft ein und beschleunigte noch einmal.

Auf Höhe des Transporters bekam er sie endlich zu fassen und verpasste ihr eine schallende Ohrfeige. Wie in Zeitlupe sah er ihren Kopf zur Seite fallen, Speichel spritze aus ihrem Mundwinkel, die Augen riss sie weit auf. Sie fiel auf die Knie und blickte winselnd zu ihm auf.

Warum musste sie ihm solche Probleme bereiten? Er packte nach ihrem Oberarm und zerrte sie brachial hinter sich her, ohne auch nur einen Ton über seine Lippen zu bringen. Der Widerstand brach; Sie folgte ihm ohne weitere Gegenwehr.

Vor der Eiche, seinem endgültigen Ziel, blieb er stehen. Sie wäre weitergelaufen, hätte er sie nicht am Arm gehalten.

Er schüttelte den Kopf, führte sie an den Stamm und drückte sie gegen diesen. Die Kleine sah nicht einmal auf.

Keine zehn Schritte entfernt befand sich ein Holzstück, das wahrscheinlich bei den letzten Baumfällarbeiten liegengeblieben war. Nun diente es für sie als eine natürliche Treppe. Eine Treppe, die in den Himmel, in die Freiheit führte.

Oh ja, er tat ihr einen Gefallen. Nie wieder würde sie lernen oder sich mit Jungs plagen müssen. Vorbei die Angst um Zensuren, eine gute Ausbildung. Kein Ärger mit ihren zukünftigen Kindern. Sie würde am Ende ihres Lebens nicht alleine und vergessen sterben müssen. Gleich verfiel sie in einen tiefen Schlaf, in dem sie sich ihre Welt zusammenträumen konnte. Eine perfekte Welt. Ja, er machte ihren Traum wahr. Er half ihr, den Weg zu gehen, der ihr zustand. Wie ihre kleine perfekte Welt wohl aussah? Weite Felder und Wiesen, blauer Himmel und Sonnenschein? Ein Strand, an dem sie lag und den Wellen lauschte? Keine Regeln, keine Verpflichtungen. Nur tun, was sie wollte. Ach, zu gern würde er in ihre Fantasie eintauchen wollen. Nur für einen Moment.

Er rollte das schwere Stück eines abgesägten Stammes heran. Der Gärtner. Er schmunzelte über seinen detektivischen Verstand. Gewiss doch hat er es liegengelassen. Also trug er im Endeffekt eine unstrittige Verantwortung an dem, was jetzt geschehen würde. Spätestens nach Sonnenaufgang ärgerte er sich seines Fehlers wegen schwarz.

Ein Eichelhäher lärmte im angrenzenden Forst. Flügelschläge waren zu vernehmen, die Laute näherten sich und verklangen in der Finsternis. Die Stille kehrte zurück.

Er kletterte auf seine provisorische Treppe, blickte zu ihr herab. Sie stand einfach da, rührte sich nicht und ließ den Kopf hängen. Warum sie nicht versuchte zu fliehen, verstand er nicht. Nur ihre Hände waren aneinandergebunden. Sie konnte also laufen. Oder wusste sie, dass sie keine Chance hatte?

Es war ihm egal. Er zuckte mit den Schultern, zog die Schlaufe auseinander, stieg herab und ging langsam auf sie zu. Noch immer schaute sie nicht auf. Sanft legte er seine Hand auf ihren Unterarm, spürte die Kühle, die von ihr Besitz ergriffen hatte, und führte sie zu dem Holz.

Ohne ihn anzusehen, stieg sie auf diesen. Selbst als er ihr die Schlinge um den Hals legte, ging ihr Blick an ihm vorbei gen Himmel. Suchte sie sich vielleicht einen Punkt am Firmament, an dem sie als Stern leuchten wollte?

Bei dieser Idee lief ihm ein wohliger Schauer über den Rücken. Sie würde strahlen. Heller als jeder einzelne andere Stern da oben. Eine romantische Vorstellung, die ihm doch auch ein melancholisch werden ließ. Zu gern hätte er ein letztes Mal den Schrecken in ihren Augen gesehen.

Er konnte es nicht ändern. Frauen und Esel. Die ganze Zeit musste er daran denken. Dumme, starrköpfige Esel.

Mit dem Fuß stieß er das Holz an.

Es rückte keinen Zentimeter vom Platz.

Fest biss er sich auf die Lippen, unterdrückte den Wunsch zu fluchen. Er kniete nieder, packte mit beiden Händen zu. Der Stamm ähnelte in der Größe einem Eimer; sein Umfang jedoch überbot diesen um Dimensionen. Dennoch hatte er nicht mit dessen Gewicht gerechnet. Ein Fehler! Er hatte nicht alle Eventualitäten einberechnet. Wie konnte er solch einen wichtigen Punkt übersehen? Rasch überlegte er nach Alternativen, verwarf seine Idee wieder, einen Wagenheber zu holen oder einen anderen Baumstamm zu suchen. Alles viel zu kompliziert, zu unsicher. Was, wenn sie doch noch davon lief? Er war zu weit gegangen, um jetzt alles wegen eines dummen Fehlers zu riskieren. Es gab es kein Zurück.

Mit seiner ganzen Masse warf er sich gegen das Holz. Wieder und wieder. Schweiß rann ihm über die Stirn, sein Atem ging pfeifend. Doch endlich, endlich bewegte sich dieses verfluchte Ding!

Einen Herzschlag später kippte es zur Seite, setzte sich in Bewegung und rollte den Weg hinab.

Ein erstickter Schrei drang über die Lippen des Weibes, als es den Boden unter den Füßen verlor. Sie griff nach dem Seil um ihren Hals. Doch sie konnte ihrem Schicksal nicht entkommen.

Sein Brustkorb hob und senkte sich im raschen Tempo, das Blut rauschte in seinen Ohren. Erschöpft ließ er sich an dem Stamm der Eiche nach unten gleiten, blieb dort sitzen, atmete tief ein. Er fuhr sich durch das Gesicht, ehe sein Blick in Richtung des Mädchens wanderte. Sie kämpfte; zappelte; versuchte zu kreischen, aber nur ein ersticktes Gurgeln war zu vernehmen.

Es hätte nicht so kommen müssen. Doch die Freiheit war ein wichtiges Gut. Wichtiger noch als das Leben eines unbedeutenden Menschen.

Ein kurzes, heißeres Lachen drang über seine Lippen und vermischte sich mit dem Krächzen des Eichelhähers.

 

Frei bis in die Unendlichkeit

Cover Sandra Rehschuh - Frei bis in die Unendlichkeit

Sandra Rehschuh – Frei bis in die Unendlichkeit

Die Geschichte ist voller Spannung, Abenteuer und Magie. Nach dem Tod ihrer Mutter hat Taya nur einen Wunsch: raus, ans Meer. Stattdessen schickt der Vater die 14-Jährige auf einen Reiterhof aufs  Land – für Stadtkind Taya der reinste Albtraum. Doch dann lernt sie dort Demian kennen, und den weißen Hengst Staglo, der so anders ist als die anderen Pferde auf dem Hof.

Doch als Taya dem Geheimnis des stolzen Pferdes auf die Spur kommen will beginnt Taya, sich an Dinge zu erinnern, die nie geschehen sind. Gemeinsam mit Demian und Staglo taucht sie tief in die Vergangenheit ein: in die Zeit der Kelten vor 2500 Jahren. Und bald muss Taya sich entscheiden, welches Leben sie führen will.
Das Jugendbuch, in dem es neben der spannenden Zeitreisegeschichte auch um das Verarbeiten von Verlusten und um die erste große Liebe geht, ist für Leser ab 12 Jahren geeignet.

Leseprobe

Taya lag auf ihrem Bett und schluchzte in das Kopfkissen. »Ach Papa, kannst du mich nicht wieder abholen kommen? Ich will hier nicht bleiben. Ich fühle mich so allein.«
Im nächsten Moment klopfte es an die Zimmertür. Taya schrak auf, setzte sich hin und wischte die Tränen fort. Wer konnte das sein? Hoffentlich nicht dieser Bauerntrampel, der sie einfach nicht verstand. Doch ihre Hoffnungen wurden zerstört.
»Taya, ich bin es. Demian. Bitte, darf ich hereinkommen?«
Demian? Was wollte der denn? Konnte er sie nicht einfach in Ruhe lassen? Seine dummen Bemerkungen waren das Letzte, was sie jetzt gebrauchen konnte.
»Was willst du?«
»Ich muss mit dir reden. Bitte lass mich rein.«

 

 

Oh, auf was hatte sie sich da nur eingelassen? Noch einmal wischte sich Taya über das Gesicht und rief dann leise:
»Dann komm halt rein.«
Nur einen Spalt weit öffnete sich die Tür, aber es reichte, damit er sich hindurchzwängen konnte.
»Mädchen dürfen keinen Herrenbesuch auf dem Zimmer empfangen.«
Er grinste, aber wurde sofort wieder ernst.
»Taya, es tut mir leid, was ich vorhin gesagt habe. Ich wollte dich nicht verletzen.«
Er nahm an dem kleinen Tisch Platz.
»Aber du weißt doch, wie wir Jungs sind, nicht wahr?«
Trotzig schüttelte Taya den Kopf, um danach sofort zu nicken.
»Hmm … vielleicht doch. Ein wenig zumindest. Aus euch Kerlen kann man einfach nicht schlau werden«, murmelte sie.
»Ich möchte es wieder gut machen und habe deswegen einen Vorschlag für dich: Die anderen Kinder kommen erst übermorgen hier an.«
»Ich bin kein Kind mehr«, unterbrach sie ihn barsch, doch Demian ignorierte ihre Worte.
»Viele von ihnen haben schon eine Menge Erfahrung mit Pferden. Deswegen plant Fritz für übermorgen Nachmittag auch gleich einen Ausritt.«
Taya starrte ihn an und konnte nicht glauben, was sie da eben gehört hatte.
»Wie … wie soll das funktionieren? Ich habe noch nie auf einem Pferd gesessen. Da falle ich unter Garantie herunter!«
»Und genau deswegen möchte ich dir vorschlagen, dass du und ich – noch vor dem Abendessen miteinander üben. Ich werde Fritz sagen, dass ich dir die Gegend zeige. Es gibt da ein kleines Waldstückchen, wo niemand so schnell vorbeikommt.«
»Und dann soll ich auf dir reiten?«, fragte Taya und stellte sich dabei vor, wie sie ihn mit einer Peitsche antrieb.
Das könnte lustig werden! Nur mit Mühe schaffte sie es, ein Kichern zu unterdrücken.
»Blödsinn!«, sagte Demian empört.

Gebundene Ausgabe: 120 Seiten
Verlag: Carow Verlag Gruppe; Auflage: 1 (26. März 2017)
Sprache: Deutsch
ISBN-13: 978-3944873077
empfohlenes Alter: 12 – 16 Jahre

»Wir werden Leonie mitnehmen. Sie war heute noch nicht ausreiten und ein kleiner Spaziergang wird ihr sicherlich guttun.«
Er zwinkerte ihr zu.
»Einverstanden?«
Zögernd nickte sie. Noch immer konnte sie sich nicht vorstellen, in wenigen Stunden auf einem Pferd zu sitzen. Erst recht nicht auf so einem Riesen wie Leonie. Aber wohl oder übel würde sie Demian vertrauen müssen.
»Na gut. Aber nur unter der Bedingung, dass du mich nicht wieder auslachst.«
»Versprochen. In einer Stunde an der Koppel?«
Demian wartete die Antwort nicht mehr ab. Genauso schnell, wie er gekommen war, verschwand er auch wieder durch den winzigen Türspalt. Offenbar war das auf diesem Hof eine Marotte der Bewohner. Seltsame Leute. Und ein noch seltsamerer Junge.

 

Sind wir noch normal? Ein Blick in das Jenseits

Angelika Meinhardt/Nora S. Bach - Sind wir noch normal Ein Blick in das Jenseits Cover

Angelika Meinhardt/Nora S. Bach – Sind wir noch normal Ein Blick in das Jenseits

Haben Sie sich schon einmal gefragt, warum Sie Dinge hören, riechen, fühlen oder gar sehen, die Andere nicht wahrnehmen? Oder kennen Sie jemanden, der dies von sich behauptet? Vielleicht ist es sogar Ihr eigenes Kind, das von unsichtbaren Freunden spricht?
Fällt es Ihnen schwer, all das zu glauben? Zweifeln Sie an sich selbst?

Dann ist dieses Buch genau das richtige für Sie!

Nora S. Bach und Angelika Meinhardt erlebten solche Dinge tagtäglich – über Jahre hinweg. Mit dem Leser teilen sie nun ihre Erfahrungen: Von den ersten Zweifeln, die sie überkamen, bis hin zur Akzeptanz ihrer Fähigkeiten.

Begleiten auch Sie Nora S. Bach und Angelika Meinhardt, profitieren Sie von ihren Erfahrungen. Mit ihren Beispielen und Ratschlägen versuchen sie, all jenen ein Verständnis zu vermitteln, die an sich selbst oder ihren Mitmenschen zweifeln – nur, weil sie anders sind …

Ihr Resümee zu dem Titel: Ja, wir sind normal!

Leseprobe:

Realität oder Wahnsinn? – Bin ich noch normal?

Ein ganz normaler Morgen. Der Wecker klingelt, Sie stehen auf und trotten verschlafen in das Bad. Alles ist so wie immer. Wirklich?
War das eine Reflexion im Spiegel? Verschlafen reiben Sie sich die Augen und versuchen, den restlichen Traum loszuwerden. Danach blicken Sie wieder in den Spiegel. Und für einen Moment erscheint wieder dieses fremde Gesicht.
Zufall?
Ihr Herz beginnt schneller zu schlagen, kalt werden die Hände. Sie spüren genau: Sie sind nicht allein!
Mutig drehen Sie sich um, doch niemand ist im Zimmer. Und trotzdem können Sie eine Stimme vernehmen. Ein Flüstern, mehr nicht. Worte, die kaum verständlich sind.
Nachdem Sie reichlich kaltes Wasser in ihr Gesicht geschöpft haben, drängt sich die Frage auf: Bin ich verrückt?

Broschiert: 164 Seiten
Verlag: Axiomy Verlag; Auflage: 2 (31. Oktober 2015)
ISBN-13: 978-3945618363
Größe und/oder Gewicht: 14,6 x 1,7 x 21,1 cm

So, oder so ähnlich kann es geschehen.
Man erwacht eines Morgens und plötzlich ist alles anders. Alles, woran jemals geglaubt wurde, wird über den Haufen geworfen.
Natürlich muss es nicht von heute auf Morgen passieren. Genauso gut ist es möglich, dass es schleichend beginnt. Die Wahrnehmungen werden von Tag zu Tag, von Monat zu Monat oder von Jahr zu Jahr, intensiver.
Das Hören von zarten Stimmen. Das Spüren der Anwesenheit einer weiteren Person im Raum, obwohl niemand da ist. Manchmal auch das Fühlen von Berührungen. Und zu guter Letzt: das Sehen.
Der Mensch ist ein großartiges Wesen, das über verschiedene Sinne verfügt. Doch viel zu selten werden sie wirklich richtig genutzt.
Vergessen Sie, was Sie in Lehrbüchern gelesen haben! Vertrauen Sie auf Ihre Gefühle! Sie weisen den rechten Weg!
Und noch Eines: Sie brauchen sich davor nicht zu fürchten!

 

Auf den nächsten Seiten werden wir einige unserer Erlebnisse schildern. Horchen Sie in sich hinein. Können Sie annehmen, was da geschrieben steht? Oder halten Sie es noch immer für absoluten Blödsinn?

 

 

 

Kurzgeschichten für Erwachsene in Anthologien

„Lisa“ in Pappelblatt

„Andere Welt“, „Verlaufen“ und „Zeit und Tod“ in Sommer Potpourrie – Autoren hinterlassen Spuren, ISBN: 978-3942802307

„Zufall?“ in Liebe: Geschichten rund um die Liebe, ISBN: 978-3942802123

„Im Beisein der Lieben“ in Krimi Kurzgeschichten, ISBN: 978-3942802345

„So etwas wie Liebe“ in Ruhm und Boden, ISBN: 978-3940680082

„Zwiegespräch mit dem Mond“ in Knall auf Fall allein, ISBN 978-3-940680-19-8

„Nur ein Buch“ in Mitten unter uns, ISBN 978-3-942104-02-9

„Rosarote Brille oder Schubladendenken“ in einfach lesbisch, ISBN 978-3-941455-19-1

„Geschichte einer Katze“, „Weidenkätzchen“, „Verlorene Seelen“ in RATZKATZ – Katzen wollen leben!, ISBN: 978-3942026062

„Engel gibt es wirklich“ in Das Wunder der Weihnacht, ISBN: 978-3-940951-38-0

„Die Neuerschaffung der Welt“, „Weihnachtsgeschenk der besonderen Art“ in Tierische Weihnacht, ISBN: 3-940951-39-0

„Es ist an der Zeit“ in BOA ESPERANÇA – STORY CENTER 2009 (AndroSF 5), ISBN 978 3 8391 3603 4

„Schach matt“ in Teufel auch!: Ein höllisches Vergnügen, ISBN: 3-940680-17-6

„Der erste Tag deines neuen Lebens“ in Wälder, Wasser, Licht und Liebe Texte der Ganzheit, ISBN: 978-3-95o27o4-1-9

„Heilkräfte“ in Kochende Leidenschaft, ISBN 978 3-935841-18-4

„Warum heute?“ in Baumgeflüster, ISBN: 978-3-937134-47-5

„Es ist an der Zeit“ in Starlight Union

„Liebe Ricarda“ in Caligo 1/09, ISSN: 1864-1466

„Lektion eines Bären“, „Max auf Jagd“ in Pfötchen, Huf und Ringelschwanz, Teil 2, ISBN: 978-3-940951-19-9

„Schöne Bescherung“, „Der Tag, an dem die Erde besiedelt wurde“, „Wunder des Lebens“ in Feier-Tage … wichtige Momente des Lebens, ISBN: 3-867039-76-3

„Nächtliche Begegnung“ in Eldorado, ISBN: 3453987674

„Urlaub mit Hindernissen“ in Kurzgeschichten 09/ 07, ISSN: 1613 – 432X

„Das Waschmaschinenphänomen“ in Caligo 04/ 07, ISSN: 1864-1466

„Rache der Natur“ in Alle schreiben Donau anders…

„Hochzeitstag oder Geiz ist nicht immer geil …“ in Kurzgeschichten 04/ 07, ISSN: 1613 – 432X

„Geschichte einer Katze“ in Tierisch gute Geschichten, ISBN: 3-940808-00-8

„Abschied (?)“ in Kurzgeschichten 03/ 07, ISSN: 1613 – 432X

 

Lyrik:
„Gartenzauber“ und „Sommererwachen“ in Sommer Potpourrie – Autoren hinterlassen Spuren, ISBN: 978-3942802307

„Gedanken eines Tierheimhundes“ in Tiere – Geschichten und Gedichte, ISBN: 978-3942802611

„Begegnung mit dem Leben“, „Zarte Blüte“, „Tropfen“, „Erschöpfter Schein“ und „Leere erleben“ in Begegnungen, die man nicht vergisst, ISBN: 978-3-942312-10-3

„Naschkatze“ und „Ron, die Diebin“ in Backstubenduft, ISBN: 978-3-938728-10-9

„Frühlingserwachen“ in Märchenhafte Lyrik, ISBN: 978-3-940951-02-1

„Tropfen“, „Gefangenes Leben“ in Gedankenwelt, ISBN: 978-3-941455-11-5

„Silberne Pferde“, „Kopfloser Reiter“ in Mondgeflüster, ISBN 978-3-941455-07-8

„Hochzeit ohne Gäste“ in Menschen im Glück, ISBN: 3-941127-02-0

 

Vorwort: 
in: „Das Auge der Meisterin“ von Hannah Harkor und Jürgen Ludwig, ISBN: 978-3940680280

 

 

Fotos/ Illustrationen: 
zwei Fotos in „RATZKATZ – Katzen wollen leben!“, ISBN: 978-3942026062

ein Foto im Kalender „Buchwelten 2009“, ISBN: 978-3-902574-20-6

zwei Zeichnungen in „Pfötchen, Huf und Ringelschwanz“, ISBN: 3-940951-05-6

Das Brennen der Dämmerung

Sandra Rehschuh - Das Brennen der Dämmerung Cover

Sandra Rehschuh – Das Brennen der Dämmerung

Finsternis liegt über der Residenzstadt Dresden.
Die Vampirjägerin Franziska Maschke gerät auf die Fährte eines Blutsaugers, der Interesse an wertvollen Artefakten zeigt.
Dabei trifft sie auf einen geheimnisvollen Mann, der ihr auf seltsame Art vertraut erscheint.
Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt.
Denn ist der rote Mond einmal aufgegangen, gibt es keine Rettung mehr.

 

 

 

Leseprobe

Prolog
Ein halbes Jahr zuvor …
Seit Stunden waren die Restaurants und Cafés am Neumarkt zugesperrt. Dichter Nebel zog von der Elbe in die Straßen und tauchte die Altstadt in ein geheimnisvolles Licht. Wenige Laternen brannten zu dieser Zeit noch; Stille beherrschte die Stadt.
Eine Nacht, um für sich zu sein, um nachzudenken, über das Vergangene und das Kommende.
Die Augustusstraße, nicht breiter als eine Gasse, und dennoch eine Attraktion für Touristen, war wie leergefegt. Liebevoll fuhr Franziska die Fugen der Sandsteinmauer nach, auf der, in für sie unerreichbarer Höhe, der Fürstenzug thronte. Verirrte Lichtstrahlen spiegelten sich auf den bemalten
Kacheln aus Meißener Porzellan. Vierundneunzig Männer zählte Franziska im Vorbeigehen und verließ die Straße in Richtung der Brühlschen Terrasse.

Das Brennen der Dämmerung (2011)
Taschenbuch, 271 Seiten, AAVAA – Verlag
Taschenbuch in Großschrift, 399 Seiten, AAVAA – Verlag

auch als Ebook in den Formaten: Kindl Edition, PDF, ePub und Mobipocket erhältlich (PDF, ePub und Mobipocket nur im Verlagsshop)

Sie stieg die Stufen der Freitreppe hinauf. Zu beiden Seiten bildeten Bäume eine Allee, an dessen Ende sich ein Plateau befand. Dort ließ sie sich auf den Rand des Delphinbrunnens nieder, hörte dem Plätschern des Wassers zu und schloss die Augen. Der Stein unter ihr war noch warm vom Tag und schenkte das Gefühl von Geborgenheit. Bis jetzt war es ein ruhiger Abend und inständig hoffte sie, dass es so bleiben würde. Ein Auto fuhr am Terrassenufer entlang, ein Dampfer störte mit seinem Tuten die Ruhe. Wenige Wolken verdeckten den sternenklaren Himmel.
Eine einzige Nacht Frieden. Nicht kämpfen müssen. Ein gewöhnlicher Mensch sein. Franziska wusste, dass es nicht ihre Bestimmung war. Sie war anders. Zu oft hatte sie die Schattenwesen berührt, als dass dieses spurlos an ihrem Herzen vorbei gegangen wäre. Ein Funken der Dunkelheit
hatte sich auch in ihr eingenistet und einen Abgrund in ihrer Seele geöffnet, der es ihr ermöglichte, zu töten. Unzählige Male hatte Franziska versucht, sich dagegen zu wehren. Das Abschlachten nicht länger mitzumachen. Doch sie war dazu gezwungen. Hätte sie es nicht getan, so wären es die Vampire gewesen, die sie zur Strecke gebracht hätten. Immer war es Notwehr und trotzdem machte es ihr auf Weise Spaß. Das Gefühl, wenn die Klinge durch das Fleisch schnitt, dem letzten röchelnd Atemzug des Monstrums zu hören, bis auch dieser verklang.
Tränen rannen ihr heiß die Wangen herab, Nebel hüllte sie ein. Sie hatte gemordet und würde es erneut tun. Wie lange konnte sie mit diesem Wissen leben, ohne ihre Menschlichkeit zu verlieren?
Ein schriller Schrei durchbrach den Trübsinn, bohrte sich wie ein Pfeil in ihr Innerstes. Dem Ruf folgte ein neuer, der von den Häusern widerhallte. Franziska sprang auf, hob den Kopf in den Wind und versuchte die Bestie zu wittern. Ein erbärmlicher Gestank nach Fäulnis wehte ihr entgegen. Ob
es Einbildung war oder ein Instinkt, entwickelt in den Jahren des Jagens, hatte keine Relevanz. Zu glauben, sie riechen zu können, bedeutete ein Stück mehr wie diese Vampire zu sein.

 

Zum wiederholten Male erklang das Gebrüll, getragen und zerstreut vom Nebel. Sekunden stand Franziska unschlüssig da. Wenn sie sich nicht bald entschied, würde ein Mensch sterben.
Ihre Entscheidung stand schon längst fest, gestand sie sich ein. Ohne weiter nachzudenken, wählte sie die Richtung zum Neumarkt, die Münzgasse hinauf. Sie vertraute auf ihre Eingebung.
Noch bevor das Opfer die Lippen zu einem neuerlichen Laut des Schreckens öffnen konnte, war sie dort und packte den Angreifer im Nacken.
Überrascht von dem unerwarteten Widerstand ließ er von seiner Beute ab.
»Lauf!«, schrie sie dem Fremden zu, dessen Hals mit einem dünnen Rinnsaal Blut bedeckt war.
Erstarrt stand er da, rührte sich nicht.
»Du schon wieder!«, fauchte ihr Gegner.
Die Stimme riss den Unbekannten aus seiner Lethargie. Ohne sich umzudrehen, rannte er davon.
Er stürzte über einen unsauber eingesetzten Pflasterstein und kroch auf allen Vieren in die Dunkelheit und verschmolz mit dieser.
Ein weiteres Leben, das sie gerettet hatte. Franziska lächelte und wandte sich der Bestie zu.

 

 

Ausgeliefert – Zerstörtes Leben

Sandra Rehschuh - Ausgeliefert Zerstörtes Leben - Cover

Sandra Rehschuh – Ausgeliefert Zerstörtes Leben

Eine Hirnblutung kann das ganze Leben verändern. Diese Erfahrung muss auch Friedrich machen.
Als er eines Morgens erwacht, muss er feststellen, dass sich seine Familie von ihm abgewendet hat, und auch aus dem Spiegel schaut ihn ein völlig Fremder an. Ein „Krüppel“, wie ihn seine Familie nennt.
Friedrich wird von seiner Frau misshandelt, doch wagt es nicht, sich gegen sie aufzulehnen. Schließlich ist er der Mann – und wer sollte ihm schon glauben?
Er verfällt in eine Depression und spielt mit dem Gedanken, sich das Leben zu nehmen, als sein lange vermisster Bruder Richard auftaucht.
Zögernd nähern sie sich an, und Richard schafft es tatsächlich, Friedrich aus diesem Tief zu holen.
Doch das neue Selbstbewusstsein, das er durch seinen Bruder erlangt hat, wirft Schatten.nicht mehr erhältlich

 

Ausgeliefert – Zerstörtes Leben (2013)
Taschenbuch, 175 Seiten, CODI-Verlag

Kurzgeschichten für Kinder in Anthologien

Ein Satz in „Der letzte Satz“

„Aufregung im Gewölbe“ in Die Saftvampire, ISBN: 978-3-940951-41-0

„Die faule Magd“ in Märchenbasar 4, ISBN: 978-3940367525

„Winterfee“ in der Neuauflage Das große Elfenbuch und die verschollenen Märchen, ISBN: 978-3-940951-34-2

„Kalia – König der Dunkelelben“ in Kleine Helden – große Taten, Band 1 (Magie und Schwert), ISBN: 978-3-940951-12-0

„Ausgesetzt“, „Eine Freundschaft entsteht“, „Ein neues Zuhause“ in Pfötchen, Huf und Ringelschwanz, ISBN: 3-940951-05-6

„Numbi und das Edelweiß“ in Märchenbasar 3, ISBN: 3-940367-30-3

„Ferdinand und die Haare“ in Fantasia – Magazin für Phantastik, ISBN 978-3-939914-03-7

„Jagdfreuden“ in der Minibuchbox 5, ISBN 978-3-902574-14-5

„Glaub an deine Träume“ in Und was ich dir noch sagen wollte …, ISBN 978-3-940367-02-0

„Winterfee“ in Das große Elfebuch und die verschollenen Märchen – Band 1, ISBN: 978-3-00-023342-5

Der Ruf des Pharaos

Sandra Rehschuh - Ruf des Pharaos Cover

Sandra Rehschuh – Ruf des Pharaos

Albträume werden nicht wahr … oder doch?

Dunkelheit. Ringsumher. Wände, die keinen Ausweg erkennen lassen.

Die vierzehnjährige Anna träumt oft von einem finsteren Labyrinth, bis sie erkennt, dass ihre Träume sie in eine andere Realität gezogen haben. Sie findet sich im alten Ägypten wieder, 1335 Jahre vor Christus.

Anna weiß, sie muss aufwachen, verschwinden, doch sie kann nicht. Eine viel zu starke, unheimliche Macht hält sie gefangen. Ihr Schicksal ist auf rätselhafte Weise mit der Vergangenheit verbunden. Warum setzt der mächtige Pharao Echnaton alles daran, sie in seine Hände zu bekommen? Wird Anna es mithilfe der Katzengöttin Bastet schaffen, nach Hause zurückzukehren? Und was macht ausgerechnet Daniel, ihre erste große Liebe, an diesem Ort, in dieser Zeit?

 

 

Leseprobe

Die Ausstellung
Dunkelheit. Schwärze. Überall. Atemraubend. Anna sah keinen Meter weit. Abgestandene Luft legte sich wie nasser Sand über die Nase, den Mund, erschwerte ihr das Atmen. Rasch hob und senkte sich ihr Brustkorb, jede Faser des Körpers gierte nach Sauerstoff, schien vor Ungeduld zerreißen zu wollen.
Sie spürte die Blicke wie Nadelspitzen auf ihrer Haut und dann … diese Schritte. Schritte, die von den Mauern herniederhallten, die sie umringten.
Sie blieb einen Herzschlag lang stehen, lauschte in die Finsternis. Kamen die Tritte näher? Nahm das Stöhnen an Lautstärke zu?
Gehetzt sah sie zurück und erkannte doch nichts.
Weiter! Du musst weiterlaufen, klang es hinter ihrer Stirn. Er holt dich. Er fängt dich. Du wirst niemals dieses Labyrinth verlassen, wenn er dich erreicht.
Sie drückte die Hände gegen die Schläfen, bis die Stimme in ihrem Kopf verstummte. »Ruhig, Anna«, murmelte sie, »irgendwo muss es einen Ausgang geben. Irgendwo vor dir. Oder hinter dir.« Ihr Herz trommelte wild. Die Erkenntnis, dass sie nicht den Hauch einer Ahnung besaß, wo sie sich überhaupt befand, jagte ihr einen Schauder über den Rücken.
Den Tränen nahe, streckte sie die Arme zu beiden Seiten aus. Ihre Hände berührten staubigen Stein. »Es muss einen Ausgang geben. Es gibt immer einen.« Sie konzentrierte sich auf ihren Puls, befahl ihm, langsamer zu werden. Erst, als er einen normalen Rhythmus annahm, schloss sie die Augen, versuchte sich auf Gehör und Gefühl zu verlassen und trat zwei Schritte nach vorn.
Keine Mauer. Aber auch kein Luftzug. Enttäuscht ließ sie die Schultern sinken.
»Grrr …«
Blindlings hastete sie durch die Gänge, eine gefühlte Ewigkeit, bog nach rechts ab, als sie auf dieser Seite keinen Widerstand spürte.
Der Schmerz schoss wie ein Pfeil von der Stirn in die Füße. Einen Moment lang verspürte sie Übelkeit, als ob sie zu viele Süßigkeiten auf einmal gegessen hätte, und atmete tief durch.
»Aua«, murmelte sie schluchzend, und tastete über eine Mauer. Sie war so oft den Weg entlanggelaufen, aber nie zuvor hatte er an dieser Stelle aufgehört. Es gab nur eine Sache, die sie wirklich wusste. Hinter ihr, irgendwo in den Tiefen der Schwärze, lauerte das Geschöpf, das nach ihr jagte.
Von Neuem hallten seine Schreie durch das Labyrinth, als ob es ihre Gedanken las.
»Grrr …« Dieses Mal schien es näher als zuvor.
Zitternd fuhr sie mit den Fingern über den Felsen. Sie fanden keinen Ausweg, keine Lücke, durch die sie sich zwängen konnte.
Außer Atem ließ sie sich gegen die Mauer sinken, starrte in die Dunkelheit. Sie presste die Zähne aufeinander, damit ihr Klappern sie nicht verriet. Ihre Haare stellten sich zu Berge.
Sie lauschte. Schlürfende Schritte, unheilvolles Knurren. Lauter. Näher.
Sie drückte sich gegen Stein und verbarg den Kopf zwischen ihren Knien. Ich seh dich nicht, also siehst du mich auch nicht. Ich seh dich nicht, also siehst …
Eine Hand, wie von Elfenbein, blitzte in der Schwärze auf.
Anna schrie.

 

Anna brüllte noch immer. Ihre Kehle fühlte sich wie Sandpapier an, ihre Stimme wurde schwächer, doch sie konnte nicht aufhören.
Ein lautes Knarzen übertönte sie.
»Anna? Was ist los?«, rief jemand.
Ohne Vorwarnung kam die Hand aus der Finsternis, bleich wie eine Totenhand. Sie keuchte. Das Ding kannte ihren Namen.
Sie fuhr auf, hörte ihr Herz dumpf in ihren Ohren pochen, sah einen Schatten, der ihr seltsam vertraut war und verstummte. Zischend sog sie die Luft zwischen den Zähnen ein. »Mama? Was …? Wo bin ich?«
Mama nahm sie in die Arme und strich ihr eine Haarsträhne aus der Stirn. »Anna, du hast schlecht geträumt. Ein Alb, mehr nicht.«
Annas Augen füllten sich mit Tränen. Sie schniefte. »Es war kein Traum. Ich war dort. In dem dunklen Labyrinth. Die Mauern … die Sackgasse.« Ihre Stimme schwoll an, bis sie in Mamas Augen blickte. Darin erkannte sie ein Funkeln, das ihr nicht geheuer vorkam. Schmerz? Begründet in einer Ahnung, dass sie den Verstand verlor? Doch sie konnte nicht länger schweigen. »Es ging nicht mehr weiter. Dieses Mal jedoch …« Sie vergrub das Gesicht in der Ellenbeuge ihrer Mutter wie in Kindertagen, wenn sie sich gruselte. »Ich habe etwas erkannt.«
Mama nahm die Hand von ihrem Rücken. Augenblicklich vermisste sie die tröstende Wärme und bereute, überhaupt den Mund geöffnet zu haben.
»Was war das?« In Mamas Stimme schwang ein sorgenvoller Unterton.
Sie sah auf. Hörte sie ein Vibrieren, ein Zittern? Wieder und wieder hallte der Satz wie ein Echo in ihrem Kopf nach, bis sie glaubte, zurück in dem Labyrinth zu sein. Gehörte das, was sie vernahm, an diesen schrecklichen Ort? Stellte Mama einen Teil dieses ewig wiederkehrenden Albtraumes dar?
Anna schüttelte den Gedanken ab. Unsinn. Mama macht sich wirklich Sorgen um mich.
»Anna?«
Sie versuchte, zu lächeln. »Bitte entschuldige. Ich probiere, mich an die Einzelheiten zu erinnern. Vielleicht eine Klaue, Pranke … nein. Eine Hand, ja, eine Hand griff nach mir.«
»Erzähl weiter.«
In Mamas Gesicht regte sich nichts.
»Bevor sie mich packte, bin ich aufgewacht.« Sie schluckte das Gefühl der Erleichterung hinunter. »O Mama, was bedeutet das alles? Wann hört es endlich auf?« Die Tränen rannen herab, trockneten und nur salzige Kristalle blieben auf ihrer Haut zurück.
»Ich weiß es nicht, meine Süße. Ich weiß es nicht. Vielleicht ist es an der Zeit, Hilfe zu holen. Auf Dauer geht es so nicht wei…«
»Hilfe? Willst du etwa sagen, dass ich verrückt bin?« Sie warf die Bettdecke zu Boden und sprang auf.
»Beruhige dich, mein Liebes. Wenn du nicht willst …«
»Ich will nicht. Ich bin nicht verrückt.«

Der Ruf des Pharaos
196 Seiten
Softcover
ISBN 996352415X
€ 10,99

»Du warst wieder dort?« Claudia rollte den Lutscher zwischen ihren Hamsterbacken umher und ähnelte damit verblüffend einem Kleinkind.
Ein schreiend komischer Anblick, doch Anna war nicht zum Lachen zumute. »Ja. Es ist unheimlich dort. Dunkel. Weißt du, dass ich, seitdem sich dieser Traum ständig wiederholt, Angst im Dunkeln habe?«
»Nein. Aber verdenken kann man es dir nicht.«
»Übrigens …« Sie zeigte auf den Lolli. »… bekommst du von dem da Karies.«
»Egal.« Claudia schob die Nascherei weiter in den Mund hinein.
Ein scheußliches Knacken wie von berstenden Knochen war zu hören, als Claudia ein Stück abbiss.
Ein Schauder durchlief Annas Körper. Sie schmeckte bittere Galle und schluckte heftig. »Bitte hör damit auf«, flüsterte sie.
»Ah, jetzt weiß ich es.« Claudias Miene verzog sich zu einem spöttischen Grinsen. »Ich weiß, wo du Nacht für Nacht umherwanderst.«
»So? Wo denn?« Gespannt wartete sie auf die Antwort. Claudia besaß seit eh und je die verrücktesten Ideen, und wenn die Geschichte nicht dermaßen gruslig wäre, hätte sie sich auf ihre Erklärungen mit Sicherheit gefreut.
»Na, du triffst dich heimlich mit Daniel. Wenn auch nur in deinen Träumen, aber du triffst dich mit ihm.« Die Freundin, deren Haare jedem Feuerlöscher Konkurrenz machen konnten, versetzte ihr einen Stups in die Rippen und lachte.
»Nicht so laut«, zischte Anna und sah unter den Wimpern zu dem blonden Jungen hinüber. Daniel war zwei Klassenstufen über ihnen. Sämtliche Mädchen der Schule begehrten ihn. Sie war ebenfalls heimlich in ihn verliebt. »Er steht doch da drüben.« Hitze stieg ihr in die Wangen. Rasch sah sie weg. Niemand sollte über ihre Gefühle im Bilde sein. Vor allem nicht Claudia.
»Na und?« Claudia neigte den Kopf und setzte ihren berühmten Hundeblick auf, der bei ihr immer zog.
Heute nicht. Heute wollte sie nicht lachen oder scherzen. Der Tag sollte nur rasch vergehen.
»Er soll ruhig wissen, dass du ihn magst. Allein kommt er nie darauf. Wenn er es nicht erfährt, werdet ihr nie ein Paar. Also? Welche Rückschlüsse ziehen wir daraus?«
»Dass du spinnst, meine liebe Claudia. Dass du spinnst.« In Gedanken lächelte sie zu ihm hinüber. Eigentlich stimmte es. Doch wenn sie nur daran dachte, zu ihm zu gehen und ihn anzusprechen, klebten ihre Füße am Boden und ihre Zunge nahm ein taubes Gefühl an. Blöderweise würde Daniel wohl nie von allein zu ihr kommen, geschweige denn, sie ansprechen. Sie seufzte.

Sandra Rehschuh - Ruf des Pharaos - Backcover

Sandra Rehschuh – Ruf des Pharaos

»Liebeskummer, oder was?«, neckte die Freundin weiter.
»Ach, was.« Jetzt kam der Zeitpunkt, an dem sie sich den klebrigen Boden zum ersten Mal herbeisehnte; sie könnte damit Claudia den Mund verschließen.
»Sehnsüchte und seltsame, nächtliche Reisen. Ja, ja … Das muss Liebeskummer sein, meine Beste. Hihi.«
»Wenn du das sagst?« Sie ließ resigniert die Schultern sinken. Claudia würde sie sicherlich bis zum Ende ihrer Tage mit ihren Sprüchen nerven. »Woher willst du eigentlich wissen, dass ich in ihn verschossen bin? Vielleicht bist du es ja selbst, und weil du dich nicht traust, Daniel anzusprechen, hackst du auf mir rum.«
»Ach, Annalein.« Sie lachte. »Ich kenne dich. Deine Augen kleben ja förmlich an ihm.«
»Das geht nicht«, brummte sie. »Dann müsste ich mir nämlich die Augäpfel herausreißen und sie mit Kleber an ihm festmachen.«
Claudia klopfte ihr auf die Schulter. »Nur nicht den Mut verlieren. Jeder Topf findet seine Bratpfanne, sagt man doch so schön, oder?«
»Jeder Topf findet seinen Deckel. Ein toller Spruch, nicht wahr? Irgendwie stimmt der bloß nicht. Zumindest trifft er bei mir überhaupt nicht zu. Ich bin schon immer ein deckelloser Topf und weit davon entfernt, dass sich daran etwas ändert. Manchmal kommt es mir vor, als müsste ich mein ganzes Leben allein bleiben. Da gibt es noch ein geniales Zitat. Genieß die Einsamkeit. O Mann, wer denkt sich diese tollen Lebensweisheiten eigentlich aus?« Sie kickte einen Kieselstein davon und sah ihm nach.
»Anna, sei doch nicht frustriert. Du bist gerade vierzehn. Du hast genug Zeit, jemanden kennenzulernen.« Das Spöttische wich aus Claudias Stimme, sie blickte ungewohnt ernst.
»Vielleicht stimmt das ja.« Aber das tröstet nicht darüber hinweg, dass ich Daniel möchte, und ihn wohl niemals bekommen werde.
»He, ich habe eine Idee, Annalein«, Claudia warf den Rest ihres Lutschers fort. »Das bringt dich sicher auf andere Gedanken. Heute eröffnet die Ägyptenausstellung. Also die über den Kinderpharao. Tutancha … irgendwas. Was meinst du? Wollen wir uns die zusammen ansehen?« Sie sprang auf und wäre beinahe über die eigenen Füße gestolpert, hätte Anna sie nicht aufgefangen.
»Ich weiß nicht. Meine Nacht war kurz, Claudia und überhaupt …«
»Ach, komm schon«, sie zerrte an ihrem Ärmel, »es klingelt gleich. Also, du und ich auf Ägyptentour, meine verehrte Pharaonin.« Claudia kicherte und strich über Annas Haare. »Eigentlich könntest du wirklich als eine Pharaonin durchgehen«, bemerkte sie nachdenklich, »dein Haar ist in der richtigen Länge, das Schwarz stimmt. Dein Pony ist genauso gerade geschnitten wie der der Majestäten aus längst vergangenen Tagen. Und wenn ich dich richtig ansehe«, sie trat einen Schritt vor Anna und zwang sie zum Stehenbleiben, »erkenne ich sogar diese feinen mandelförmigen Augen an dir.«
»Claudia?«, sie zog die Freundin weiter, »es gibt keine Pharaoninnen. Wenn, dann Königinnen. Davon abgesehen glaube ich, dass du jetzt völlig durchdrehst.«

 

 

»Das macht vierzehn Euro.« Der Kartenverkäufer, dessen Gesicht sich unter einer Schicht Akne versteckte, beugte sich über die Theke und gab ihnen ihre Tickets.
»Vierzehn Euro? Da geht ja mein ganzes Taschengeld flöten«, klagte Claudia empört.
Am liebsten wäre Anna vor Scham im Boden versunken. Was der Typ jetzt wohl von ihnen denken mochte? Eigentlich konnte es ihr ja egal sein, aber peinlich war ihr die Sache schon. Was, wenn sie sich irgendwann einmal auf der Straße sahen? Erinnerte er sich an sie als die Freundin einer Unruhestifterin?
Das Pickelgesicht lächelte.
»Gehst du nicht auch bei uns in die Schule?« Claudia klimperte mit den Wimpern.
»Kann sein«, murmelte er und widmete sich wieder einem Prospekt über die Ausstellung.
»Ich glaube, ich habe dich bestimmt schon gesehen«, Claudia beugte sich zu ihm, »arbeitest du hier freiwillig?«
Er zuckte die Schultern, sah nicht einmal auf.
»Komm endlich. Lass ihn zufrieden«, sie zog an Claudias Shirt, »schließlich wolltest du mit mir in diese Ausstellung und nicht mit irgendwelchen Jungs flirten.«
»Flirten?« Claudia erschrak, sah zum Ticketverkäufer, der sie jedoch keines Blickes würdigte. »Flirten? Bist du wahnsinnig? Sieh ihn dir mal richtig an. Rothaarig und mehr Pickel im Gesicht, als andere auf ihrem Hint… ähm … Na, du weißt schon.«
Sie wandte sich von der Freundin ab und schüttelte den Kopf. Manchmal benahm sich Claudia wie ein Kindergartenkind. Niemand, der sie reden hörte, würde glauben, dass sie fünfzehn war.
»Ich wollte doch nur, dass er uns die Preise niedriger macht«, rechtfertigte diese sich weiter.
»Hat nicht geklappt.« Anna zerrte sie mit sich.
»Danke, das merke ich.«
»Denkst du mal daran, ob er das morgen in der Schule rumerzählt? Wenn er damit hausieren geht, dass du ihn bezirzen wolltest? Glaub mir, danach bist du das Gespött des Pausenhofes, nein, der ganzen Stadt.« Sie kicherte.
»Erinner mich nicht daran.« Claudia schob einen samtenen Vorhang zur Seite, der wohl das Tor in die längst vergessene Welt darstellen sollte, und schlüpfte hindurch.
»Kommst du?«, klang es gedämpft von der anderen Seite, »Anna?«
Sie wollte nicht weitergehen. Etwas lauerte in den Räumen, das sie von ihrem Standpunkt aus nicht sah. Sie starrte den Vorhang an. Waren da nicht eben Stimmen gewesen? Leise, flüsternd wie von weit her. »Unsinn«, schalt sie sich. Sie befand sich in einer Ausstellung. Natürlich gab es hier Menschen, die miteinander sprachen. Besucher und keine Gespenster. Dennoch bemerkte sie einen Druck auf der Brust, der abklang und zunahm, als werfe jemand einen Volleyball immer und immer wieder dagegen.
»Wo bleibst du denn? Anna?«
Der Vorhang warf Wellen und schien einen Moment lang durchsichtig zu werden. Sie hielt den Atem an, betrachtete den Stoff, aber nichts geschah. Alles war, wie es sein sollte. Nur ein roter samtener Vorhang, der zwei Räume voneinander trennte. Ihre Fantasie ging mit ihr durch. Mehr nicht. Sie schüttelte den Kopf über diese absurde Vorstellung, etwas anderes gesehen zu haben und wollte gerade der Freundin folgen, als sie jemanden hörte. Ja, komm, meine Königin. Komm zu mir.
Sie blieb stehen. Der Stoff in ihrer Hand fühlte sich heiß und trocken an. Wie hypnotisiert starrte sie auf den Vorhang, der nun flatterte, als tobe dahinter ein Sturm. Hitze stieg in ihr auf, verbrannte ihre Wangen, versengte die Augenbrauen. Die Luft wandelte sich zu Feuer. Sie konnte nicht mehr atmen.
Diese Stimme gehörte nicht Claudia. Nein, sie klang wie die eines Mannes. Brummend und irgendwie geschmeidig zugleich. Eine Stimme, die dem Knurren aus ihren Träumen ähnlich schien.
»Anna?«
Wie ein Mantel fiel die Wärme von ihr, kroch am Boden davon und zog sich in die Finsternis hinter dem Vorhang zurück. Einen Wimpernschlag lang hielt sie noch den Atem an, dann wirkte alles wie bei ihrem Eintritt in das Museum.
Claudia rief nach ihr. Ohne Zweifel. Wer sonst sollte wissen, dass sie im Vorraum stand?
Tagträume, es müssen Tagträume sein. Eine andere Möglichkeit gibt es nicht. »Doch, die gibt es«, korrigierte sie sich, aber wollte nicht daran denken.
»Willkommen, sehr verehrte Besucher«, drang es aus einem Lautsprecher über ihnen, »tauchen Sie ein, in eine der faszinierendsten Epochen der ägyptischen Geschichte. Ein Pharao wird mit neun Jahren auf den Thron gehoben. Seine Regentschaft dauert von 1332 bis 1323 vor Christus. Gelenkt durch seinen Gottesvater Eje, beginnt Tutanchamun die Abwendung vom Atonkult. Zerstörte Tempel der alten Götter werden wieder aufgebaut und er heiratet seine Schwester Anchesenpaaton.«
Anchesenpaaton? Anna horchte auf. Sie kannte diesen Namen, wusste aber nicht woher. »Anchesenpaaton.« Der Name umhüllte ihre Zunge mit einem Gefühl, als hätte sie eben gerade am Fell des Nachbarhundes geleckt.
»Tutanchamun, ein Pharao, der jung starb. Das Geheimnis um sein Ableben bleibt ungelöst. Was ist Wahres an dem Fluch des Pharaos? Warum starben die Expeditionsmitglieder, die das Grab am 4. November 1922 entdeckten, frühzeitig? Tauchen Sie ein und wandeln Sie auf den Pfaden längst vergangener Zeiten.«
Tränen füllten ihre Augen, schwer wie Blei waren ihre Beine. Etwas schien sie in die Knie zwingen zu wollen. Dieselbe Macht, die sie vor dem Vorhang erlebt hatte? Sie kämpfte gegen den Drang, sich auf den Boden zu werfen und wie ein Embryo zusammenzurollen. Sie musste hier raus. Schnellstmöglich. Wie sollte sie das ihrer Freundin beibringen? Sie erklärte sie mit Sicherheit für verrückt.
»Brrr …«, Claudia schüttelte sich, »verstehst du auch nur ein Wort von dem, was der da erzählt?«
»Ich glaube schon«, gab sie nach kurzem Zögern zu und schwor, dass alle Farbe aus ihrem Gesicht wich.
»Geht es dir nicht gut?«

 

»Ja, nein. Ach, ich weiß nicht. Eigentlich will ich nur nach Hause.« Sie versuchte zu lächeln und hoffte, dass es gelang.
»Nö, nichts da. Wir haben unser ganzes Taschengeld ausgegeben, um hier reinzukommen. Da gehen wir doch nicht, ohne uns die Ausstellung anzusehen. So, so. Du verstehst also, was der Typ da quasselt?«, wechselte sie das Thema. »Bist du etwa eine kleine Streberin?«
Sie brachte gute Noten nach Hause, ja, allerdings war sie alles andere als eine Streberin. Ihr fiel es leicht, zu lernen, und das wusste Claudia. Aber das Alte Ägypten? Nein, diese Epoche der Geschichte hatte sie bis heute für uninteressant gehalten und nie wirklich etwas darüber gelesen. Aus welchem Grund also kamen ihr diese Worte bekannt vor?
»Anna? Träumst du?«
Sie sah auf und lachte, obwohl ihr zum Heulen zumute war. »Keine Ahnung. Alles an diesem Ort kommt mir seltsam vertraut vor, als ob ich schon einmal hier gewesen wäre.«
Etwas blitzte vor ihrem inneren Auge auf. Gleißend hell, strahlender als die Sonne, zogen Bilder durch ihre Gedanken. Bilder, die sie nicht erkannte und die ihr dennoch einen Schauder über den Rücken jagten. Anna ahnte, dass das Gezeigte mit ihr im Zusammenhang stand, aber die Bilder nicht ihre Erinnerungen waren. Bevor sie erfasste, was sie sah, verschwand das Dargestellte und hinterließ nur Dunkelheit in ihrem Gedächtnis. Ihre Nackenhaare stellten sich auf und fröstelnd verschränkte sie die Arme, dabei schien nur ein Augenblick vergangen zu sein.
»Unsinn. Die Ausstellung ist doch heute erst eröffnet worden. Oder warst du etwa mit Daniel auf der Pressekonferenz?«
Pressekonferenz? Wovon sprach Claudia? Dies musste ein Traum sein, oder sie wurde langsam verrückt. Du musst ruhig bleiben. Du wirst weder irre, noch bist du krank oder sonst was. Du bist nur übermüdet. Das ist alles. Zu viel gelernt. Das muss es sein, rief sie sich zur Ordnung, während sich ihre Knie in eine weiche Puddingmasse verwandelten. »Was sollte ich auf einer Pressekonferenz?«
Claudia seufzte. »Du besitzt auch keine Fantasie, oder?«
»Jedenfalls keine nur annähernd so lebhafte wie du.« Mit jedem Herzschlag zog sich die Erinnerung an diesen verfluchten Tagtraum weiter zurück. Sie sog die muffige Luft tief ein, überzeugt davon, dass alles nur in ihrer Vorstellung geschah. Wenn überhaupt.
»Mensch, Anna. Daniel schreibt für die Schülerzeitung einen Artikel über diese Ausstellung.«
Sie hob die Schultern etwas an, ließ sie aber sogleich wieder fallen. »Ja und?«
Claudia gab ihr einen Klaps gegen die Stirn.
Erschrocken trat sie einen Schritt zurück. »Spinnst du?«
»Erde an Anna. Hallo? Ist da oben noch jemand? Denk doch mal nach. Er hält sich hier bestimmt öfter auf. Und daraus schließen wir?«
»Wir? Nicht viel, denke ich. Eher du.« Es interessierte sie nicht, was Claudia dachte oder zu denken glaubte. Diese Bilder, diese Erinnerungen, entstammten sie der Wirklichkeit? Das war die einzige Frage, auf die sie eine Antwort wollte.
»Dass wir ihn hier natürlich antreffen werden«, riss Claudia sie aus ihren Überlegungen.
»He? Wen?«
»Ach Anna, hörst du mir überhaupt zu? Ich male dir gerade ein romantisches Date aus und du bist mit deinen Gedanken ganz woanders.«
»Ich höre.« Seufzend ergab sie sich in ihr Schicksal. Claudia würde nicht eher aufhören, zu reden, bis sie ihre Vorstellungen in allen Einzelheiten zu Ende erklärt hatte. »Also …«
»Ist ein Bindewort.«
»Nun lass mich doch mal. Diese Dunkelheit, die vielen Kostbarkeiten. Gibt es einen romantischeren Platz? Sei doch mal ehrlich.«
»Mit Sicherheit. Neben einer Mumie möchte ich nämlich nicht das erste Mal geküsst werden.«
Sie brachen in schallendes Gelächter aus.
»Lass uns jetzt Ägypten erkunden«, sagte Claudia feierlich und wischte sich eine Träne aus dem Augenwinkel.